Im New Yorker Büro der "Deutschen Zentrale für Tourismus" (DZT) geht es drunter und drüber. In der vergangenen Woche wurde eine leitende Angestellte wegen Verbreitung der Auschwitzlüge fristlos entlassen.

Die 56jährige Elke Berg, seit 19 Jahren in Diensten der DZT und seit Anfang des Jahres Verkaufschefin in New York, hat jahrelang Artikel veröffentlicht oder übersetzt, in denen der Holocaust geleugnet wird. Veröffentlicht wurden die Beiträge, teilweise unter dem Namen ihres früheren Ehemannes Kniepkamp, in rechtsradikalen oder revisionistischen US-Magazinen. Elke Berg verbreitet darin gemeinsam mit ihrem Mann Friedrich Paul Berg die Ansicht, die Juden seien nicht ermordet worden, sondern an Typhus gestorben.

Mit der fristlosen Entlassung der US-Staatsbürgerin Berg reagierte die DZT vergangene Woche erst auf einen tags zuvor erschienenen Beitrag der TAZ. "Wir dulden weder antisemitische Äußerungen noch die Verbreitung der Auschwitzlüge oder anderer historischer Unwahrheiten", erklärte der um Schadensbegrenzung bemühte DZT-Vorstand Günter Colonius.

Gegenüber dem Fremdenverkehrsausschuß des Bundestages mußte er allerdings eingestehen, daß der Frankfurter DZT-Zentrale schon seit vergangenem Sommer Hinweise auf die rechtsextremen Ansichten der Angestellten vorgelegen haben. Die Überprüfung der Vorwürfe durch einen amerikanischen Anwalt verlief jedoch im Sande.

Die braune Gesinnung einer langjährigen Angestellten ist innerhalb von acht Wochen der zweite Skandal, in den das Büro auf Manhattans 42. Straße verwickelt ist. Erst im März war bekanntgeworden, daß der frühere Büroleiter Henning Schreiber Angestellte mit sexistischen und rassistischen Äußerungen belästigt hatte. Schreiber ist inzwischen degradiert und nach Frankfurt zurückgerufen worden.

Diese Vorgänge und sieben laufende Arbeitsgerichtsprozesse haben das Büro quasi lahmgelegt. Die Atmosphäre ist inzwischen so vergiftet, daß dienstliche Kontakte über Anwälte abgewickelt werden. Eine besondere betriebsinterne Brisanz gewinnt der Fall Berg auch dadurch, daß einer der achtzehn New Yorker DZT-Angestellten Jude ist, dessen Frau ein deutsches Konzentrationslager überlebte.

"Das Büro ist zerstritten", sagt Fred Gross, bis zum vergangenen Jahr stellvertretender Chef der New Yorker Filiale. Nach seinen eigenen Angaben hat der 54jährige die skandalösen Vorgänge frühzeitig nach Frankfurt gemeldet, ohne daß dort reagiert worden sei. Statt dessen habe man ihn ins zweite Glied versetzt. Vom neuen Führungsduo Hänschke und Kranefeld sei er seither geschnitten worden. Gross ist sicher: "Die kamen mit dem Auftrag, mich kaltzustellen. Der Zeuge sollte kaputtgemacht werden."

Die Bonner SPD-Opposition hat inzwischen verlangt, daß die DZT unter parlamentarische Kontrolle gestellt wird. Bislang ist für den eingetragenen Verein, der 85 Prozent seines 55-Millionen-Mark-Etats aus Steuergeldern deckt, ein Beamter des Wirtschaftsministeriums zuständig. Seit Jahren wird die Finanz- und Personalpolitik der DZT heftig kritisiert.

Für ihre Partei Bündnis 90/Die Grünen verlangte die Sprecherin des Fremdenverkehrsausschusses, Halo Saibold, "die komplette Neubesetzung der für die DZT verantwortlichen Organe und Gremien."

Der Tourismussprecher der CDU, Rolf Olderog, sieht jedoch keinen Anlaß für personelle Konsequenzen: "In diesem Fall haben sich der DZT-Vorstand und die Bundesregierung nichts zuschulden kommen lassen. Die ganze Sache ist ein Unglück für die DZT."

Ihrer ureigenen Aufgabe, im Ausland für Urlaub in Deutschland zu werben, hat die DZT mit ihren beiden Skandalen einen Bärendienst erwiesen. Die umfangreichen Berichte in US-Medien über die DZT- Skandale dürften amerikanische Touristen kaum ermuntern, ihre Ferien in Germany zu verbringen. "Deutschland wird in den USA stärker unter die Lupe genommen als jedes andere Land", weiß DZT-Mann Gross aus 25jähriger Erfahrung.

Gross wirft seinem Arbeitgeber darüber hinaus Geldverschwendung und mangelnde Professionalität vor: "Man könnte hier für die Hälfte des Geldes das Doppelte bewirken." Nach seiner Ansicht habe die DZT allein mit ihrer erfolglosen Kampagne "Dialog mit den Deutschen" 1,2 Millionen Mark in den Sand gesetzt. Statt Schadensbegrenzung fordert er einen völligen Neuanfang: "Der Laden ist so morsch, da hilft auch ein Eimer Farbe nicht."