DIE ZEIT: Herr Fücks, erleichtert der Rückzug von Klaus Wedemeier die Bremer Regierungsbildung?

Ralf Fücks: Ja und nein. Nein, weil Wedemeier ein stabilisierender Faktor in einer diffusen SPD war; ja, weil er den Weg für einen personellen und politischen Neuanfang freigemacht hat. Die SPD muß nach ihrem politischen Absturz jetzt eine klare Richtungsentscheidung treffen.

ZEIT: Sehen Sie einen profilierten Nachfolger, der mit den Grünen regieren möchte?

Fücks: In der bremischen SPD gibt es - anders als in Frankfurt - keinen Andreas von Schoeler, der sein politisches Schicksal mit Rot-Grün verknüpft. Henning Scherf, der gerade seinen Hut in den Ring geworfen hat, hat sich trotz Sympathien für Rot-Grün schon die Hintertür zur großen Koalition offengehalten.

ZEIT: Wedemeier hat eine Festlegung auf Rot-Grün abgelehnt. Dennoch hat die SPD vor allem Wähler an CDU und AfB verloren. Mit einer Aussage für Rot-Grün hätte es für die SPD leicht noch schlimmer kommen können.

Fücks: Dieses ängstliche Nach-allen-Seiten-Offenhalten kann die Erosion der SPD nicht stoppen. Es hindert sie aber, mit einem klaren Profil für neue Mehrheiten zu kämpfen.

ZEIT: Gerade weil die SPD ihre traditionelle Klientel verliert, fällt es ihr um so schwerer, sich für Rot-Grün zu entscheiden.