Lang ist es noch nicht her, daß Kreditkarten hierzulande noch weitgehend unbekannt waren.Noch vor zehn Jahren setzten die meisten Bundesbürger allenfalls auf die blau-rote Eurocheque-Karte - die Zahl der Kreditkarten von Visa, American Express, Eurocard und Diners Club erreichte in der Bundesrepublik nicht einmal eine Million Stück.Entsprechend wenig Geschäfte waren damals auch bereit, Kreditkarten als Zahlungsmittel zu akzeptieren: Im Jahr 1984 konnten Bundesbürger lediglich bei 50 00 0 deutschen Unternehmen mit "ihrem guten Namen" bezahlen. Mittlerweile hat sich die Lage jedoch grundlegend verändert.Allein die Eurocard, die von deutschen Banken und Sparkassen ausgegeben wird, verzeichnet inzwischen über sechs Millionen Nutzer.Gleichzeitig ist das 86 mal 54 Millimeter große Plastikgeld inzwischen bei gut 300 000 Unternehmen mehr oder minder gerngesehenes Zahlungsmittel.Weltweit prangen die Kartensignets heute an den Ladentüren von zwölf Millionen Boutiquen, Hotels, Restaurants und anderen Dienstleistungsunternehmen. Auch die Deutsche Bahn AG, lange Zeit strikter Gegner von Kreditkarten, akzeptiert jetzt nicht nur Plastik als Alternative zum Bargeld, sondern stattet auch die BahnCard auf Wunsch mit dem Visa-Signet aus. Gerade in der Reisebranche rechnet sich der Einsatz von Kreditkarten allemal.Werden die - meist mehrere tausend Mark teuren - Reisekosten mittels Kreditkarte beglichen, übersteigt oft schon der Zinsvorteil zwischen Unterschrift und Abrechnung über das Kartenkonto die Jahresgebühr für die Kreditkarte.Und ganz nebenbei kommt der Reisende bei den meisten Karten auch noch in den Genuß eines hochwertigen Versicherungsschutzes, der kostenfrei mit jeder Zahlung aktiviert wird: Eine Verkehrsmittel-U nfallversicherung leistet, je nach gewählter Karte, im Schadensfall bis zu einer Million Mark - und das ohne zusätzliche Kosten. Apropos Versicherungen: Nachdem die ersten Versicherungsangebote der Kartengesellschaften von der Stiftung Warentest noch als "Mogelpackungen" kritisiert worden waren, haben die meisten Anbieter jetzt durchaus sinnvolle Pakete rund um die Karte geschnürt.Spitzenstücke wie etwa die Eurocard Gold oder die goldene American-Express-Karte - letztere nur für Kunden mit mindestens 80 000 Mark Jahreseinkommen - sehen neben einer Auslandsreise-Krankenversicherung auch einen vollwertigen Auto-Sc hutzbrief vor, der mit jeder vergleichbaren Offerte der Automobilclubs konkurrieren kann.Hingegen werden weniger bedeutsame Versicherungen wie etwa die kaum benötigte Auslandsreise-Haftpflichtversicherung zunehmend gestrichen. Nur allzu gerne werben die Kartenanbieter auch mit der Möglichkeit, sich jederzeit im In- und Ausland mit Bargeld versorgen zu können.In der Tat bietet das Plastikgeld in vielen Fällen einen weitaus größeren Spielraum als beispielsweise die Eurocheque-Karte.Allerdings lassen sich die Kartenanbieter diese Leistung auch teuer bezahlen: Bis zu vier Prozent wird den Kunden abverlangt, wenn sie sich etwa an Spaniens Stränden oder in der New Yorker Wall Street mit barer Münze versorg en.Lediglich einige Visa-Banken sind hier preiswerter: Solange der Kunde ein Guthaben auf seinem Konto hat, kosten Bargeldauszahlungen allenfalls zwischen 2,50 und 5,00 Mark - mithin kaum mehr als mit der EC-Karte. Ein Guthaben auf dem Kartenkonto hat zudem den Vorteil, daß es meistens attraktiv verzinst wird: Zwischen 3,5 und 4,0 Prozent sind derzeit zu erzielen, die Berliner Bank verzinst Guthaben von mehr als 10 000 Mark sogar mit 4,25 Prozent und damit ähnlich hoch wie Termingeldeinlagen.Allerdings wird jede Kartenzahlung unmittelbar dem Guthaben belastet, so daß die ansonsten bestehenden Zinsvorteile letztendlich schwinden.Gleiches gilt im übrigen für verschiedene Karten, die eine unmittelbare Bindung an das Girokonto vorsehen: Auch hier werden alle Zahlungen sofort dem Bankkonto belastet.Damit verzichtet der Kunde nicht nur auf jeden Zinsvorteil, sondern er muß oftmals sogar noch Postengebühren für jede einzelne Kartenzahlung abführe n.In diesem Fall, so raten die Verbraucherschützer, ist es allemal sinnvoller, gleich per Eurocheque-Karte zu bezahlen und den Händler so vor dem durchschnittlich dreiprozentigen Disagio zu bewahren, das die Kartengesellschaften verlangen. Längst sind Kreditkarten jedoch mehr als nur ein Zahlungsmittel mit Versicherungsleistung.Auf Wunsch statten viele Emittenten das Plastikgeld mit einem Mikrochip der Telekom aus, mit dem Karteninhaber an jeder entsprechend ausgestatteten Telephonzelle bargeldlos telephonieren können.Mehr noch: Einige Visa-Anbieter - etwa die Lufthansa mit der AirPlus-Karte - bieten auch einen meist kostenfreien Zugang zu internationalen Telephondiensten.In rund fünfzig Ländern kann der Ka rteninhaber dann eine gebührenfreie Rufnummer wählen, seine Kartennummer und anschließend die gewünschte Rufnummer eintippen, und schon steht die Verbindung.Bezahlt wird das Gespräch mit der monatlichen Kartenabrechnung zum Einheitstarif, so daß sich die oft hohen Aufschläge bei Telephongesprächen aus dem Hotelzimmer vermeiden lassen. Die Bedeutung des Plastikgeldes wird in den kommenden Jahren weiter wachsen.Von 1996 an sollen alle hundert Millionen Kredit-, Eurocheque- und Bankkarten von der Magnetstreifen- auf die Mikrochiptechnik umgestellt werden.Damit wird das Plastikgeld erheblich aufgewertet.Nicht nur die - für die ganze Branche und damit letztlich auch für den Karteninhaber - teuren Betrugsfälle lassen sich mittels Mikrochip deutlich reduzieren, auch die Autorisierung von Zahlungen wird wesentlich einfacher und d amit billiger. Bei der Chipkarte muß nicht mehr bei jedem Zahlungsvorgang die Kontendeckung oder die Kartensperre überprüft werden - die Karte wird als "elektronische Geldbörse" fungieren.Das Prinzip ist einfach: Am Geldausgabeautomaten wird zunächst ein bestimmter Betrag vom Girokonto auf den Mikrochip gebucht.Bei jeder Bezahlung bucht etwa der Händler den anfallenden Betrag vom Mikrochip auf sein Konto um.Gespart werden so Autorisierungskosten und Wartezeiten, so daß sich das Plastikgeld dann auch zum Bezahl en kleinerer und kleinster Beträge eignet.Denkbar ist beispielsweise der bargeldlose Fahrscheinkauf im Omnibus, das Bezahlen von Parkgebühren, Zeitungen und nicht zuletzt von kleinen Mahlzeiten per Scheck- oder Kreditkarte.Denkbar ist auch der Einsat z außerhalb des Zahlungsverkehrs, etwa im medizinischen Bereich, als Haustürschlüssel oder als Stechkarte für die Zeiterfassung im Unternehmen. Nicht einmal das Einschieben der Karte am Kassenterminal ist künftig noch zwingend erforderlich: In Ferienorten der Schweiz, etwa in Davos, wird bereits die von Siemens entwickelte Inductive Card eingesetzt, die nur noch in der Jackentasche mitgeführt werden muß.Mittels spezielle Lesegeräte wird sie an der Liftkasse auf ein bis zwei Meter Entfernung erkannt, die anfallenden Liftgelder werden automatisch dem Kartenkonto belastet.Gleiches sieht eine neue ChipCard vor, die die Luf thansa in Kombination mit ihrer AirPlus-Visa-Karte bei Vielfliegern testet: Ein Ticket ist nicht mehr erforderlich, das Mitführen der neuen Karte genügt beim Check-in und beim Boarding.