Er war der Junge von nebenan, der Nachbar von Friedhelm Farthmann.Halb streng, halb wohlwollend, wie das so ist, hat der Sozialdemokrat, seit 1975 Minister, seit 1984 Fraktionsvorsitzender, den "Kleinen", Michael Vesper nämlich, noch im Parlament behandelt.Die Familien Farthmann und Vesper - Vater Vesper war 26 Jahre lang CDU-Ratsherr in Düsseldorf - kannten sich gut. Jetzt haben die Wähler dem Sozialdemokraten den Rückweg in den Landtag verlegt, während Vesper, einer der Grünen der ersten Stunde, alle Aussicht hat, bald zum Minister in einem rotgrünen Kabinett zu avancieren.Ach, hätte der Sohn doch wenigstens das Parteibuch des Vaters, haben die Sozialdemokraten in den letzten fünf Jahren wohl manchmal gedacht.Hat er aber nicht.Vesper, Jahrgang 1952, kam über eine "K-Gruppe", wie er spöttelt, eine katholische Gruppe nämlich, (und nach einer kurzen Universitä tslaufbahn) zur Politik. Studiert hat er zunächst reine Mathematik.Etwas Hochtheoretisches also, das er heute verdächtigt, die Probleme erst zu schaffen, die man hinterher lösen solle.Er liebt es schon direkter.So kam er zur Soziologie und promovierte am Ende über die namibischen Homelands und ihre Integration ins kapitalistische Weltsystem.Lebensläufe von Politikern sehen heute so aus.Ist er Berufspolitiker?Ja, erwidert er, selbstverständlich.Vielleicht wird er als erster Grüner Innenminister Herbert Schnoo r nachfolgen; oder auch ein Umweltenergieverkehrsminister.Daß es die Grünen, an deren Spitze er bisher (gemeinsam mit Bärbel Höhn) stand, überfordern könnte, ein Mammutressort zu leiten, darauf gibt Vesper gar keine hochmütige Antwort.Er findet , es komme ganz schön viel Verantwortung auf sie zu.Aber na ja, "objektiv" sei der Minister Joschka Fischer in Wiesbaden doch auch anfangs überfordert gewesen. Eine rotgrüne Koalition in Düsseldorf: Für ihn wäre das eine Generalprobe für Bonn.Die Grünen sind kein umkomplizierter Verein, aber "Fundis der alten Ditfurthschen Prägung", sagt Vesper, gebe es schon lange nicht mehr.Es wird schon gutgehen.Hoffentlich hat er recht.Es sind nicht Welten, die seine Partei von der SPD trennen, aber schwierig wird es: Straßenbauprojekte sollen auf den Prüfstand, die Abfallpolitik sei technisch unmodern, Energiesparen müsse großgesc hrieben werden, und an die undurchschaubare Eigentumsstruktur möchten sie auch heran.In Bonn, sagt Vesper, hat er als Fraktionsgeschäftsführer bis 1990 doch für "Ordnung" gesorgt, den Laden in Düsseldorf haben sie gemeinsam zusammeng ehalten.Es werde schon gutgehen.Kompromißbereit sind sie auch.Die Grünen zeigen sich auf ihre Weise als bodenständige Landeskinder.Für Michael Vesper, Farthmanns Nachbarjungen, gilt das allemal.