Der Tourismus, so heißt es, zerstöre stets genau das, was er eigentlich sucht. An einsamen Stränden wuchern Hotelburgen, betonierte Promenaden schieben sich vor den Strand, in einstmals unberührten Landschaften türmt sich Plastikmüll. Und aus gastfreundlichen Einheimischen werden bald Nepper, Schlepper, Fremdenfeinde. Sanfter Tourismus ist deshalb das Motto, dem immer mehr Reisende folgen möchten.

Doch zum sanften Tourismus gehört nicht nur ein möglichst umweltschonendes, sondern auch ein sozial- und kulturverträgliches Verhalten - der Respekt vor den Traditionen und Moralvorstellungen der Gastgeber, vor ihren Umgangsformen und ihrer Lebensweise. Verschiedene Buchreihen versuchen nun seit einigen Jahren, den Reisenden dabei Hilfestellung zu geben. Mal in leicht verdaulichen Häppchen, mitunter auch grundlegender bereiten sie auf Sitten, Gebräuche und Mentalitäten in der Fremde vor.

"Verständnis und Toleranz für andere Lebens- und Verhaltensweisen" will der Polyglott-Verlag mit seiner Reihe "Land & Leute" wecken. Auf rund 140 Seiten bietet jeder Band Informationen zu etwa 85 alphabetisch geordneten Stichworten; auf "Architektur" folgt ein Beitrag über "Armut", nach "Betteln" und "Bevölkerung" geht es um "Bildung" und "Blumen". Auf diese Weise geben sich die Bände zwar den Anschein von Nachschlagewerken, doch besser noch sind sie für eine durchgängige Lektüre geeignet.

Dabei braucht sich niemand überfordert zu fühlen: Die knappen Texte sind eingängig formuliert und somit leicht und schnell zu lesen. Sie geben einen groben Überblick über die Lebenssituation und die Gewohnheiten der Menschen in dem jeweiligen Land und liefern dem Reisenden ein wenig Hintergrundwissen über sein Urlaubsziel, gepaart mit ein paar Tips und Verhaltensregeln. "Land & Leute" bietet also lockere Lektüre, die aus dem Reisen keine Wissenschaft macht und sich auch für den Kurzurlaub lohnt.

Wer hingegen zu einem Band der Reihe "Reisegast" aus Iwanowski's Reiseverlag greift, muß sich viel Zeit zum Lesen nehmen. "Unentbehrliche Tips für ein verständnisvolles Verhalten . . . für alle Reisenden, die sich das Land mit persönlichen Kontakten erschließen möchten", versprechen die Herausgeber Claudia Magiera und Gerd Simon, die schon vor zehn Jahren Reise-Benimmführer auf den deutschen Markt brachten: Ihre damaligen "Kultur-Knigge"-Bücher erleben jetzt bei Iwanowski eine Neuauflage in der "Reisegast"-Reihe.

Da die Bände sehr ins Detail gehen und zudem nicht besonders lesefreundlich gestaltet sind, setzen sie ein sehr ernsthaftes Interesse an dem Gastland voraus. Wer dort nur einen zweiwöchigen Pauschalurlaub gebucht hat, wird sich wohl kaum den Mühen der Lektüre unterziehen. Wer hingegen längere Zeit in einem fremden Land auf eigene Faust unterwegs sein möchte oder gar dorthin übersiedeln will, findet in den fundierten Büchern zum Preis zwischen 29,80 und 44,80 Mark auf 200 bis 300 Seiten meist wertvolle Tips - die sich unter anderem auch auf die Zusammenarbeit in den Betrieben, das Universitätsstudium in dem betreffenden Land oder die Gepflogenheiten bei privaten Einladungen beziehen.

Unterhaltsamer Schlußpunkt jedes Bandes ist ein Verhaltensquiz, das genau wie die besonders herausgestellten "Tun und Lassen"-Rubriken die jeweiligen Umgangsformen auf den Punkt bringt. Gerade hier offenbart sich aber auch das Problem von Reise-Benimmbüchern: Während das Quiz bei Ländern wie Thailand oder Ägypten durchaus bedenkenswerte Fragen und gelegentlich überraschende Antworten bietet und die Tabus uns Deutsche erstaunen mögen, wirkt das Konzept bei den Bänden über unsere europäischen Nachbarn eher aufgesetzt.