Der Autor sollte bei seiner pauschalen Ablehnung gegen Präparate der Pflanzentherapie oder Homöopathie bedenken, daß etliche Krankheiten wie zum Beispiel die Malaria erstmals durch ein pflanzliches Mittel (Chinin aus der Chinarinde) geheilt wurden. Sind derartige Mittel etwa Präparate "mit fehlenden oder doch sehr fraglichen Heilwirkungen"? Höchst inkonsequent erscheint es, daß vom Autor einerseits Naturheilmittel diffamiert werden ("keine nachweisbare Wirkung"), der Leser andererseits zu der "wirksame(n) Methode unserer Großeltern, Kamillendämpfe zu inhalieren", ermutigt wird. Auch die Wortwahl war für den Leser irreführend. Wenn, wie der Autor schreibt, die Positivliste "über 20 000 verschiedene Darreichungsformen" enthält, so beträgt die Anzahl der verschiedenen Präparate nur einen Bruchteil, da man unter einer Darreichungsform die technologische Zubereitung versteht, wie Tropfen, Tabletten, Salben et cetera.

Christoph Kasulke, Heidelberg

Im Artikel zum Entwurf der Positivliste schreibt der Autor geringschätzig über die Präparate der besonderen Therapierichtungen. Beispielhaft aus dem Bereich der Pflanzentherapie zitiert er den Weißdorn (Crataegus oxyacantha). Die Art und Weise suggeriert dem Leser, daß Weißdorn unwirksam ist. Hier scheint ein Recherchierfehler unterlaufen zu sein. Denn ausgerechnet für namhafte Weißdornpräparate liegen eindeutige, in klinischen Prüfungen neueren Datums ermittelte Wirksamkeitsbeweise vor. Für viele pflanzliche Therapeutika gilt, daß sich die Art ihrer Anwendung und ihrer Zubereitung aus jahrhundertealter Erfahrung der Volksmedizin ergeben hat. Wenn über diese wichtigen Erfahrungsbefunde hinaus, wie in den letzten Jahren mit einer Reihe von pflanzlichen Präparaten vermehrt geschehen, noch die klinische Wirksamkeit nachgewiesen wird, sind solche Arzneimittel vergleichbar mit den synthetischen Pharmaka und damit für die Schulmedizin ohne Vorbehalte akzeptierbar.

Dr. C. Erdelmeier, Karlsruhe

In dem Artikel wird gesagt, Echinacin habe keine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung. Gäbe es eine, würde man das Mittel bei Aids einsetzen. Zum einen gibt es sehr wohl Arbeiten, die Wirkungen des Stoffes nachweisen. Wichtiger aber ist mir etwas anderes: Glaubt man denn ernsthaft, die Hunderttausende von Leuten, die das Präparat verlangen und meist selbst bezahlen, würden einem Placebo hinterherlaufen? Glaubt man denn wirklich, die zahlreichen ärztlichen Kollegen, die nach jahrelanger Klinikausbildung das Präparat in der Praxis verordnen, hätten mit dem Einstieg in die Praxis ihr Urteilsvermögen verloren? Wäre ja immerhin denkbar, daß es arzneiliche und andere Wirkungen gibt, die sich nicht in einer Doppelblindstudie erhärten lassen. Ist das dann notwendigerweie alles Placebo? Der überstrapazierte Gebrauch dieses Begriffs zeugt wohl mehr von der Unfähigkeit der konventionellen Medizin, sich auf eine unvoreingenommene und neugierige Weise mit Phänomenen auseinanderzusetzen, die nicht in ihr "doppelblindes" Medizinverständnis passen.

Dres. Alexandra und Georg Becher, Dachau