Welcher deutsche Zeitungsleser hat bislang irgend etwas über den Untergang der Sozialisten im Jemen gelesen, über die Indianeraufstände in Ecuador oder über die Entdeckung des Ellenbogenliberalismus durch die birmanischen Diktatoren? Die wenigsten. Das dürfte sich ändern. Denn fortan liegt der deutschen tageszeitung (taz) und der Schweizer Wochenzeitung (WoZ) einmal im Monat die deutsche Version einer Gazette bei, die seit vierzig Jahren hartnäckig daran festhält, die "anderen Themen" ins Bewußtsein zu rücken: Le Monde diplomatique.

Wer in Frankreich etwas auf sich hält als weltläufiger Intellektueller, kommt um die Lektüre nicht herum. 160 000 Exemplare werden monatlich vom französischen Original (daneben gibt es eine italienische, arabische und nun eben die deutsche Fassung) abgesetzt - beachtlich für eine Publikation, die so entschieden gegen den Strich bürstet. Interviews mag man keine drucken: "Faulheit des modernen Journalismus." Politikern öffnet man die Spalten selten: "Die kommen überall sonst zu Wort." Nüchtern rapportierend gibt man sich nie. Hingegen finden eine kühne, freche These, eine leidenschaftliche Argumentation aus der Sicht des Schwächeren stets ihren Platz. Damit bleibt Le Monde diplomatique im Stil wie im Inhalt der französischen Tradition des tiers-mondisme treu, der besonderen Auseinandersetzung mit der Dritten Welt.

Das wichtigste aber: Unablässig ermuntert das Blatt mit seiner Themensetzung und seiner journalistischen Verve, vom eigenen Bauchnabel aufzuschauen. Die Welt ist größer, als man denkt. Nun auch für deutsche Leser. Le Monde diplomatique - bienvenu im hiesigen Blätterwald!