ZDF, 8., 10. und 14. Mai:

"Deutschlandlied"

Um für den Export zu taugen, sollte ein aufwendiger TV-Film sich ästhetisch nicht durch zu viele Ortsüblichkeiten festlegen. Er sollte plastisch sein und mit ein paar kleinen Übersetzungshilfen überallhin passen. Und er sollte Identifikationsfiguren aus allen Schichten, Generationen und Weltgegenden anbieten.

Nach diesen Vorgaben wird heutzutage beim Filmemachen immer häufiger verfahren - das sind die Marktgesetze, sie sind hart. Aber gerecht. So sieht er nun mal aus, der Preis der Freiheit: Wer ihn nicht zahlen will, kriegt so leicht keine zweite Chance.

Tom Toelle hat mit seinem "Deutschlandlied" nicht zahlen wollen. Er hat einen Stoff gewählt, der nirgendwohin paßt und obendrein in einer fiktiven deutschen Kleinstadt mit Namen Königsbruck spielt. Er hat zwar alle Generationen aufgeboten, ihnen jedoch mit dem Nachkrieg einen Kontext aufgebürdet, der sie sämtlich alt und mürbe und sogar die hübschen Mädchen verhärmt aussehen läßt. Und er hat sich auch ästhetisch den Usancen nicht gebeugt.

Zeigt man heute noch lang und breit, wie schlechtgekleidete Menschen Schlange stehen - um sich die Klage einer alten Jüdin anzuhören, die ihre gesamte Großfamilie verloren hat und nun begehrt, vorgelassen zu werden? Läßt man eine angstvolle, des Englischen nicht mächtige Frau minutenlang in ihrer miefigen Küche herumstehen, große Augen machen und sich dann mühsam entschließen, Muckefuck zu kochen - während ein schwarzer Besatzungssoldat, der kein Wort Deutsch spricht, vergebens darauf wartet, daß die junge Tochter erscheint?

Nein. Und deshalb entsteht in den meisten TV-Filmen das nicht mehr, was der Film, da er nicht riecht (wie das Theater und die Wirklichkeit), durch Inszenierungskunst herbeizaubern muß: Atmosphäre.