Carlos Saúl Menem bleibt Hausherr in der "Casa Rosada", just zu seinem 60. Geburtstag. Seinen Wahlsieg vom vergangenen Sonntag feiert er als einen persönlichen Triumph; nur seinem großen Vorbild, dem Caudillo Juan Domingo Perón, war in den Siebzigern eine Rückkehr an die Macht vergönnt gewesen - allerdings erst nach Wartejahren im Exil. Präsident Menem hatte seiner zweiten Amtszeit durch eine Verfassungsreform den Weg geebnet. Die Zustimmung der Opposition, der Radikalen unter Expräsident Raúl Alfonsin, erkaufte er sich durch Postenschieberei.

Den Radikalen ist der Kuhhandel mit den Peronisten schlecht bekommen; die Argentinier verwiesen den Kandidaten der über hundert Jahre alten Partei auf den dritten Platz. Ob die Radikalen das Debakel überstehen, ist noch ungewiß. Als neue politische Kraft hat sich hingegen FREPASO etabliert, ein Bündnis aus abtrünnigen Peronisten, Radikalen und Liberalen. Deren Kandidat, Senator José Octavio Bordón, konnte fast ein Drittel der Stimmen auf sich vereinen.

Die Argentinier haben Carlos Menem gewählt, weil sie auf Kontinuität setzen. "Keine Experimente!" - das war die unausgesprochene Losung. Hat der alte wie neue Präsident nicht sein Stabilitätsversprechen gehalten? Unter Carlos Menem und mit dem Wirtschaftsminister Domingo Cavallo konnte sich Argentinien aus einer fast aussichtslosen wirtschaftlichen Lage befreien. Dafür bezahlt haben die kleinen Leute. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie nie zuvor. Und die Finanzkrise ist noch lange nicht vorüber.

Carlos Menem hat mutig versprochen, er wolle in seiner zweiten Amtszeit, mit einer klaren parlamentarischen Mehrheit im Rücken, allen Argentiniern Arbeit beschaffen. Wie, das hat er offengelassen.