Rupert Murdochs Tempo verschlägt der Konkurrenz den Atem: Ein bahnbrechendes strategisches Bündnis, neue Raubzüge in Europa, mehr exklusive Sportrechte für sein Satelliten-TV und Resignation bei seinen amerikanischen Gegnern - all dies binnen weniger Wochen. Wer wollte da noch seine Sonderstellung unter den Medienfürsten dieser Welt bezweifeln?

Murdochs größter Coup ist die neue Allianz mit MCI, der zweitgrößten amerikanischen Telephongesellschaft. Dieses Bündnis ist das erste, das wirklich auf die Schaffung eines multimedialen Imperiums zielt. Und Murdoch vergißt nicht, dies herauszustreichen: "Bis heute hat niemand es vermocht, die Bausteine zusammenzufügen - Programme, Netzwerkintelligenz, Verteilung und Vermarktung -, um neue Medienleistungen auf globaler Ebene anzubieten."

Mit dem Deal zwischen dem Herrscher über das weltumspannende Medienempire von News Corporation und dem ambitiösen MCI-Chef Bert Roberts, der von einem globalen Glasfasernetz träumt, hat die Zukunft begonnen. "Netropolis" rückt näher - die Verschmelzung von Telephon, Fernsehen und Computer, der Fluß von unendlich vielen Daten, Dienstleistungen und Programmen durch stetig verbesserte Kabel- und Digitaltechnologie.

Allerdings dürfte die globale Datenautobahn noch einige Zeit auf sich warten lassen. Selbst dort, wo Glasfaserhighways liegen, fehlen die notwendigen Anschlußstraßen zu den Privathaushalten. Aber Rupert Murdoch hat immer schon langfristig gedacht. In seiner 42jährigen Karriere hat er nie die Prophezeiung des von ihm bewunderten Science-fiction-Gurus Arthur C. Clarke vergessen, der schon 1945 die globale Vernetzung durch Satellitenfernsehen und andere damals noch unbekannte Technologien voraussagte.

Zurück in die Wirklichkeit: Auf mittlere Sicht eröffnet nun die Kooperation der beiden Großkonzerne die Möglichkeit, Hunderte von spezialisierten Fernsehkanälen, Filme, Videos, Unterhaltungselektronik und das Telekaufhaus über den Superhighway an den Kunden zu bringen. Bis es aber soweit ist, sind Roberts und Murdoch durchaus bereit, kleinere Brötchen zu backen. Der Name ihres gemeinsamen neuen Projektes, Worldwide Joint Venture (WWJV), klingt zwar imposant, dem historischen "Durchbruch" angemessen. Aber MCI und News Corp stecken beide erst einmal nur 200 Millionen Dollar in das Projekt. Zunächst denken sie wohl lediglich an einen Datenservice für Handel und Industrie.

Im Kampf um den globalen Medienmarkt besitzt Murdoch nun jedenfalls eine hervorragende Ausgangsposition. Sollten sich Glasfaser- und digitale Evolution dramatisch beschleunigen, ist er besser gerüstet als seine Konkurrenten Ted Turner, Sumner Redstone (Viacom), Kirch, Bertelsmann oder Berlusconi. Der Pakt mit MCI stellt sicher, daß ihm auf der Datenautobahn der Zukunft der Weg zum Publikum nicht versperrt werden kann. Ansonsten hält Murdoch sich alle Optionen offen.

Zur Zeit gibt es nur eine wirklich freie Fahrbahn auf dem globalen Superhighway, nämlich das Satellitenfernsehen. Es ist das einzige weltumspannende Medium, das über nationale Grenzen und die Einflußsphäre von Regierungen hinweg operiert. Per Satellit erreichen Murdochs Fernsehsender schon beinahe zwei Drittel der Menschheit. Und in der wichtigsten Wachstumsregion der Welt, nämlich in Südostasien, hat er die Konkurrenz schlicht abgehängt.