Wahrscheinlich hätten sich nur wenige für den Ausbruch der Epidemie in Zaire interessiert, bekämpfte nicht Hollywoodstar Dustin Hoffman als Virologe gerade ein tödliches "Mutaba"-Virus, das dem Ebola nachgedichtet ist, auf breiter Leinwand. Der Erreger, von einem Affen aus Afrika in eine amerikanische Kleinstadt verschleppt, mutiert dort zu einer hochansteckenden Infektion, die durch die Luft übertragen wird und gegen die früher entwickelte Antiseren wirkungslos sind. Doch es gelingt dem Virologen, das Wirtstier, den Affen, zu finden. Aus seinem Blut werden Antikörper gewonnen, die Tausenden das Leben retten.

Das ist die Fiktion des Filmes "Outbreak". Aber kann Ebola so mutieren?

Theoretisch ja, RNA-Viren, und dazu gehört Ebola, unterliegen aufgrund der hohen Fehlerrate der Enzyme, die die Erbinformation vervielfältigen, einer hohen Mutationsrate. Diese muß aber nicht notwendigerweise zu einer Änderung der Proteine und damit der Eigenschaften des Virus führen. Dauerhaft setzen sich Mutationen nur durch, wenn sie einen Selektionsvorteil bedeuten. Der Selektionsdruck muß eine gewisse Zeit wirksam sein, damit eine Mutante das Wettrennen gegen die anderen gewinnt. Das Ebola-Virus aber scheint eine relativ große genetische Stabilität zu besitzen, wie Vergleiche der drei Isolate der früheren Epidemien von 1976 und 1979 ergaben. Die Sequenz des derzeit in Zaire isolierten Virus unterscheidet sich nur um 1,6 Prozent von den alten Isolaten (nach Angaben des Center of Disease Control). Das heißt, es hat sich in fast zwanzig Jahren praktisch nicht verändert. Einerseits ist das Virus wohl sehr genau an seinen natürlichen Wirt angepaßt (daher seine Stabilität) und vermehrt sich andererseits im Menschen so rasant, daß es zu keiner Selektion von Mutanten kommt. Eine grundlegende Änderung seiner biologischen Eigenschaften während einer Epidemie unter Menschen ist daher unwahrscheinlich. Ein weiterer Trost: Bisher wurde bei keinem Virus eine Änderung des Übertragungsweges beobachtet.

Fazit: "Outbreak" konstruiert ein unwahrscheinliches Ereignis. Und nur im Film ist es möglich, aus einem kleinen Affen, der vielleicht 200 Milliliter Blut enthält, innerhalb von 24 Stunden Immunserum für 2000 Personen zu zaubern. Dafür würden 400 Liter Serum gebraucht.

Der Autor ist Mikrobiologe am

Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg