Weil die Stromversorger richtig rechnen wollen, haben sie sich zu einem eklatanten Rechtsbruch hinreißen lassen.Ihre Manager nervt das Stromeinspeisegesetz.Es zwingt sie seit 1991, Elektrizität aus Sonne, Wind und Wasser, die Kleinstanbieter in ihr Netz einspeisen, teurer zu bezahlen, als sie den Strom in ihren Kohle- und Kernkraftwerken selbst herstellen.Es geht dabei um ganze 0,03 Pfennig.Das ist der Betrag, um den die gesetzlichen Vorschriften beim gegenwärtigen Energiemix jede Kilowattstun de verteuern; niemand würde sich darüber streiten - ginge es nicht ums Prinzip. Das Lamento der Strommonopolisten lautet nämlich, sie würden vom Gesetzgeber zu falschem Wirtschaften gezwungen.In Wirklichkeit seien die Einspeisevergütungen eine Subvention zu Lasten der Stromkunden und genauso verfassungswidrig wie der Kohlepfennig.Um das auch von den Karlsruher Richtern bestätigt zu bekommen, zahlen manche E-Werke die Einspeisevergütungen nur noch unter Vorbehalt oder verweigern den vollen Betrag - in der Hoffnung, ein Leidtragender werde dagegen klagen. Mit ihrem gesetzwidrigen Handeln haben die Unternehmen sich jedoch nicht nur auf juristisches, sondern auch auf ökonomisches Glatteis begeben.Denn längst ist aktenkundig, daß bei der Stromerzeugung auf konventionellem Wege hanebüchen falsch kalkuliert wird.Der Grund: Weder die Anbieter noch die Verbraucher werden für die Umweltschäden zur Rechenschaft gezogen, die mit der konventionellen Stromproduktion verbunden sind.Die verursacht aber immerhin knapp vierzig Prozent des klima schädlichen Kohlendioxids und nahezu drei Viertel des Schwefeldioxids.So stark ist die Stromwirtschaft an der Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit wie an der Schädigung von Bauwerken und Umwelt beteiligt - nur muß sie eben dafür nich t bezahlen.Die Manager leben mit einer komfortablen Illusion: Kosten, die nicht in den Büchern stehen, können auch nicht existieren. Zwar ist jede Energiegewinnung und -umwandlung mit solchen sozialen Kosten verbunden - auch Photovoltaik, Windmühlen und kleine Wasserkraftwerke. Allerdings sind die sozialen Kosten dieser erneuerbaren Energien sehr viel geringer als die der herkömmlichen Kraftwerke.Wird also Kohle oder Kernbrennstoff durch Öko-Strom ersetzt, dann können insgesamt die Kosten sinken, die der Gesellschaft aufgebürdet werden: Windenergie anstelle konventionell erzeugten Stroms, so das Ergebnis eines Gutachtens für die Europäische Kommission, spart nicht weniger als neun Pfennig pro Kilowattstunde - womit die Mühlen bereits konkurrenzfähig wären, auch ohne Einspeisegesetz. Also subventionieren nicht die Stromkonzerne und ihre Kunden die Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft; sondern die herkömmliche Stromgewinnung produziert Kosten, die ihre Verursacher nicht tragen - wodurch eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der regenerativen Energien entsteht.Die freilich ließe sich marktwirtschaftskonform beseitigen: durch eine Energiesteuer zum Beispiel, für deren Ausgestaltung die EU-Kommission in Brüssel gerade die Eckpunkte präsentiert hat. Das kommt dabei heraus, wenn man richtig rechnet.