Voreilige persönliche Erklärungen lösen weder die Probleme der Partei noch der anstehenden Koalitionsverhandlungen." - Wohl wahr. Klaus Wedemeiers Satz vom Oktober 1991, als seine Partei die erste dramatische Wahlniederlage einstecken mußte, stimmt auch heute wieder. Nur die Probleme seiner SPD sind inzwischen noch größer geworden, obwohl der Bremer Senatspräsident diesmal die persönliche Konsequenz gezogen hat. Wedemeier steht nicht mehr zur Verfügung.

Vor knapp zehn Jahren hatte er das Amt übernommen - schon damals begleitet von eher düsteren Prognosen. Die haben sich noch einmal drastisch bestätigt: Die Bremer SPD, lange von absoluten Mehrheiten verwöhnt, hat sich auf gut dreißig Prozent eingependelt. Die bislang marginale politische Größe CDU liegt gleichauf. Hauptsächlich auf Kosten der Sozialdemokraten hat sich die Wählerinitiative "Arbeit für Bremen" (AfB) etabliert.

Diese Entwicklung alleine Klaus Wedemeier anzulasten wäre unfair. In Bremen hat sich nur erneut das Dilemma gezeigt, in dem die SPD auch in anderen Großstädten steckt: Die Partei, zu antiquiert, um für junge Wähler und neue Mittelschichten noch attraktiv zu erscheinen, hat sich zugleich ihrer traditionellen Wählerklientel entfremdet. Die SPD bleibt gelähmt. Die Hoffnung auf "eigene Mehrheiten" ist längst zur Chimäre verkommen, für ein klares rotgrünes Profil fehlt ihr der Mut.

Paradox genug: Der orientierungslosen SPD fällt auch diesmal wieder die Schlüsselrolle bei der Senatsbildung zu. Doch als solle der Verdruß nicht enden, hat die Partnerwahl etwas von Scylla und Charybdis. Nichts würde den politischen Epochenwechsel in Bremen deutlicher symbolisieren als eine Regierungsbeteiligung der Union. Eine Zumutung für die sozialdemokratische Parteipsyche, aber nicht unbedingt ein Stoppsignal für den Niedergang. Doch auch Rot-Grün ist voller Risiken. Mit der Zweistimmenmehrheit könnte die von den Grünen als Reformprojekt angepriesene Koalition schnell zum Demontagebündnis werden. Schon haben sich die ersten Rot-Grün-Gegner in der SPD-Fraktion geoutet.

Die Bremer SPD ist kopflos. Der schon anberaumte Parteitag wurde abgesagt, eine Kommission zur Ortung neuer Hoffnungsträger eingesetzt. Jetzt soll eine Mitgliederbefragung den personellen und inhaltlichen Notstand beenden helfen. Partizipation statt Paralyse?

Nur eine, die PDS, hat es in Bremen noch schlimmer erwischt. Angetreten, im Stadtstaat den Durchbruch nach Westen zu schaffen, landete die SED-Nachfolgepartei bei kläglichen 2,5 Prozent. Sie muß weiter zu Hause bleiben.