Was wäre die Welt, wenn es keine Generationen gäbe? Eine langweilige, flache Scheibe. Kein Kampf der 68er gegen die 89er. Keine Yuppies gegen Schlaffis. Erst recht gäbe es nicht die berühmte Generation X, die in der Nachfolge der Baby Boomers in Proteststarre verfallen ist: mit stundenlangem Fernsehglotzen, Jobben, Raven und sonstigem Herumhängen, während die erfolgreichen, boomenden Babys (die "Achtziger" in der deutschen Jahresrindenzählung) alle Stellen besetzt halten und noch lange nicht abtreten.

Das Wort von der Generation X verbreitete sich vor einigen Jahren brandschnell unter den Marktstrategen. In der Computerbranche waren es vor allem Apple, Hewlett-Packard, IBM und WordPerfect, die sich dieser beschädigten Gruppe annahmen.

Die Ernüchterung ließ nicht auf sich warten: Anfang Februar diesen Jahres veröffentlichte der Branchendienst Computer Retail Week eine harsche Abrechnung. Die Xer seien einfach zu schlapp, um eine Markenloyalität zu entwickeln, hieß es da. Weitere Kommentare orteten mangelnde Lust auf Computer, Betriebssysteme und Jumperstellungen.

Was macht das Marketing, wenn eine Generation abhanden kommt? Ganz einfach, es kreiert eine neue: Über die Generation Y als logische Nachfolgerin wurde bereits gemutmaßt; in der vergangenen Woche rief Gerald Levin die Y-Revolution endlich aus.

Levin ist Chef des Medienkonzerns Time Warner, der mit einem milliardenteuren Projekt in Orlando (Florida) all die zukünftigen schönen Dinge des Lebens wie interaktives Fernsehen und Video frei Haus (on demand) an echten Menschen testet.

Auch bei diesem Versuch versagten die Xer als Konsumenten auf ganzer Linie und müssen nun der Generation Y Platz machen.

Die neue Generation demonstriert nicht und tanzt nicht, sie greift weder zur Flasche noch zum Joint. Sie rottet sich auch nur ganz wenig zusammen - weil sie gerade eingeschult wird. Das ist der Haken an der Sache. Die Generation Y besteht aus lauter fünf- bis siebenjährigen I-Menschchen, Abc-Schützen, Erstkläßlern.