Die Folterer, Vergewaltiger und Mörder in serbischen Lagern und ihre Befehlshaber durften sich lange Zeit sicher fühlen, daß ihre Verbrechen straffrei bleiben und nicht einmal öffentlich angeklagt würden.Das Jahr 1995 könnte sie in dieser Gewißheit erschüttern.Soeben hat das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag beantragt, ihm das Verfahren gegen die Führung der bosnischen Serben zu übertragen.Im Visier sind vor allem der Oberserbe Karadzic und sein Armeechef Mladic. Zwar monierten UN-Vertreter in Bosnien bereits, ihre Verhandlungspartner würden vergrätzt.Doch darauf erwiderte Chefankläger Goldstone kühl: "Wir sind Juristen und keine Politiker."Er hat recht.Wenn Karadzic und seinen Komplizen die persönliche Verantwortung für die Verbrechen nachgewiesen werden kann - und sei es nur, daß sie nichts zu ihrer Verhinderung unternommen haben -, droht ihnen die Anklage. Auch wenn die Befehlshaber der Folterer vielleicht nie bestraft werden: Mit ihrer weltweiten Ächtung wäre schon einiges erreicht.Sie würden damit zu Gefangenen auf eigenem Boden.Und ein Karadzic hätte keine ruhige Nacht mehr in Genfer Luxushotels.