Die Katze ist aus dem Sack: Silvio Berlusconi hat am Montag bestätigt, daß er seine Fernsehsender verkaufen wird - und Rupert Murdoch hat ihm eine Offerte zur sofortigen Übernahme der Mehrheit vorgelegt. Es geht um den Besitz der Mediaset SpA. Die gehört zu Berlusconis Konzernholding Fininvest. Mediaset kontrolliert Italiens größte private Fernsehsender Canale Cinque, Rete Quattro und Italia 1 samt der Werbefirma Publitalia. Die Sender haben einen Marktanteil von 44 Prozent, zusammen mit dem Staatsfernsehen RAI sind es 85 Prozent. Publitalia vermittelt jährlich für 3 Billionen Lire oder umgerechnet 2,5 Milliarden Mark Werbespots.

Murdoch hat im ersten Durchgang "weniger als 2,8 Milliarden Dollar" angeboten. Und damit beginnt eine der spannendsten Pokerpartien in der Mediengeschichte. Denn obgleich Berlusconi verkaufen will - wahrscheinlich sogar aus politischen Gründen verkaufen muß -, ist noch lange nicht gesagt, daß Murdoch das schnelle Geschäft machen kann. An einem anderen Verhandlungstisch sind nämlich bereits seit Monaten Gespräche zwischen Berlusconis Managern und den drei Mediengruppen Leo Kirch (Deutschland), Time-Warner (USA), Bouygues (Frankreich) sowie dem Großfinanzier Scheich Walid Ibn Talal Ibn Abdulaziz (Saudi-Arabien) im Gange. Sie haben zum Ziel, mehrere dieser Interessenten als Partner zu gewinnen und ihnen im Zuge einer exklusiven Kapitalerhöhung ein Drittel des Kapitals der Mediaset zu verschaffen. Ein weiteres Drittel soll an die Börse. Die Familie Berlusconi könnte das restliche Drittel behalten.

Ein derartiger Deal böte dem Verkäufer und dem Unternehmen vermutlich das meiste Geld. Die Berlusconi-Sender würden zwar in ein internationales Netz der Medienbranche eingespannt, aber das Management würde seine Autonomie nicht einbüßen. Pferdefuß dieser Lösung: Berlusconis politischen Gegnern würde noch immer die Möglichkeit bleiben, ihn der Vermengung politischer und ökonomischer Interessen zu bezichtigen.

Ein Mehrheitsverkauf an Murdoch bedeutete dagegen reinen Tisch. Aber als Preis dafür käme Italiens Privatfernsehen unter die Fuchtel eines Weltkonzerns.

Vor Jahren hatte der Gesetzgeber kommerzielle Sender als Gegengewicht zum Staatsfernsehen zugelassen. Mittlerweile aber hat der Oberste Gerichtshof dieses Gesetz für ungültig erklärt; ein neues ist bisher nicht zuwege gekommen. Deshalb soll am 11. Juni ein von der Linken eingebrachtes Referendum über die Zukunft des Privatfunks entscheiden, auch darüber, ob einzelne Sender verkauft werden müssen. Zugleich sollen die Werbemöglichkeiten stark eingeschränkt werden. Eine Zustimmung zu diesen Anträgen würde Berlusconis Sender fast eine Milliarde Mark Werbeeinnahmen im Jahr kosten. Oder den, der sie erwirbt.