Er hat ihr angeboten, die schwere Maschine zu tragen. Diese zu plötzliche Annäherung wurde abgelehnt. Erst nachdem der Soldat sich vorgestellt hatte, durfte er die "Adler" übernehmen. Er schlug, als er sich im Paternoster bekannt machte, die Hacken zusammen. Das Fräulein hieß Emilie Hering, wollte aber Emmi genannt sein. Er wollte wissen, ob sie mit dem Schriftsteller Willibald Alexis, der den berühmten Roman "Die Hosen des Herrn von Bredow" geschrieben habe, irgendwie verwandt sei. Dessen bürgerlicher Name Häring wäre einst von dem hugenottischen Einwanderernamen Hareng abgeleitet worden. "Nicht um drei Ecken rum!" Emmi bestand darauf, oberschlesischer Herkunft zu sein. "Außerdem les ich keine unanständigen Bücher, in denen es um Hosen und sowas geht."

Leseprobe aus dem neuen Roman von Günter Grass. Er soll "Ein weites Feld" heißen, im August erscheinen und jetzt noch nicht von Kritikern gelesen werden. Weshalb der Steidl Verlag, in dem er erscheinen wird, Leseprobenhefte verschickt.

Johannes Moy

Vielleicht war er einer von den übriggebliebenen österreichischen Aristokraten, die sich in Thomas Bernhards Bücher geflüchtet hatten, wo sie sich "immerfort Notizen machten" und endlos monologisierten, gewaltige Reden führten über Gott & die Welt, den Zustand Österreichs im allgemeinen und ganz besonders den des Dam- und Niederwilds in ihren alpinen Jagdgründen. Johannes Graf von Moy de Sons veröffentlichte nur ein einziges literarisches Buch, "Das Kugelspiel", 1940 bei Insel in Leipzig erschienen. Der Krieg, später sein Hauptberuf als Gutsbesitzer, hielten ihn vom Schreiben ab. Er gehörte in den Kreis um den Salzburger Kunsthistoriker Hans Sedlmayr, der seinerzeit den "Verlust der Mitte" beklagte, doch wäre Moy der Rede nicht wert, hätte er sich an das klassische Ebenmaß gehalten, das Sedlmayr von der Kunst forderte. Moys Erzählungen, altmeisterlich gemessen im Ton, stockfinsteres 19. Jahrhundert, beschwören sehnsüchtig eine Stiftersche Klassizität und kreisen doch immer um "Augenblicke des Schreckens", in denen alle Beherrschung sich in Fassungslosigkeit auflöst. Wo Moy am innigsten das Idyll beschwört, kann er zum Fürchten sein. 1988, fast ein halbes Jahrhundert nach der Erstausgabe, kam "Das Kugelspiel" noch einmal neu heraus; Peter Handke hatte sich dafür verwendet. Er schwärmte von Moys "poetischer Menschen-Studie", für die es "keinen Vergleich" gebe. Kurz schien der Schriftsteller Johannes Moy da auf, wurde geschäftsmäßig gerühmt und belobigt, dann verschwand er wieder, verwandelte sich zurück zum Grafen und Gutsbesitzer, von keiner Menschenseele im Feuilleton beachtet. Am Mittwoch vergangener Woche ist er im 93. Lebensjahr zu Anif gestorben.

Medienpartner unter sich

Mit Idealismus und Qualitätsbewußtsein hatte das Schleswig-Holstein Musik Festival angefangen - inzwischen ist es auf plattes Gezänk zwischen (nicht nur politischen) Parteien, prestigeorientiertes Figuren-Schach und merkantiles Taktieren heruntergekommen, jagt eine Groteske die andere. Ein Minister für Wirtschaft, Peer Steinbrück, besitzt nicht soviel Durchblick, dem Parlament Rede und Antwort stehen zu können über das tatsächliche Defizit und die dafür Verantwortlichen.

Die Regierungspartei (SPD) blockiert mit Angst im Nacken und fadenscheinigen Begründungen die Freigabe des Prüfungsberichts. Ein Interims-Nothelfer, der englische Konzertagent Jasper Parrot, schaffte es gerade noch, einen seiner Vertragskünstler mit mehreren Konzerten einzuschleusen. Der öffentlich-rechtliche Norddeutsche Rundfunk besteht auf seinem Alleinvertretungsrecht als Sponsorsender und mitprogrammierender "Medienpartner". Ein feinfühlend nicht Intendant genannter "Direktor" Franz Willnauer benötigt für die "Konzeption und Planung der Konzertprogramme" und bei der "Reorganisation der Orchesterakademie" einen "Berater" und holt dafür den 82jährigen Dirigenten Sir Georg Solti, der jetzt - statt ein neues, junges Konzept durchzusetzen - sich selber als "Dirigent und Pädagoge" einbringen darf, nicht zum Nulltarif, versteht sich. Kunst kommt von Können, und in Schleswig-Holstein kann man zur Zeit alles - außer ehrlich seinen Hut nehmen.