Wahl-Los

Für gebrauchte Autos und Beamte hieß es in den Jahren nach der Wende: Fängt er an zu rosten, muß er in den Osten. Ganz anders Detlev Leissner (SPD). Der war erst Ende Dreißig und voll unerprobter Kraft, als er die Düsseldorfer Staatskanzlei verließ, um das brandenburgische Städtchen Bad Liebenwerda zur Kurstadt 2000 aufzupumpen. Bürgermeister Leissner, von allen Parteien begeistert gewählt, wurde nach nur vierzehn Amtsmonaten nicht minder begeistert aus dem Rathaus gejagt - wegen größenwahnsinniger Projekte und selbstherrlicher Amtsführung. Leissner nannte die Stadtverordneten provinziell und rief das Wahlvolk an die Urne, ihn wieder ins Amt zu hieven. Den Volksentscheid am 14. Mai verlor er mit Karacho. Daraufhin erklärte er sich zum Wessi-Opfer restaurierter DDR-Strukturen. Daran ist viel Wahres. Schon bei ihrer ersten freien Wahl am 18. März 1990 erwiesen sich die Ossis als undankbar gegenüber einer Führung, die für das Glück des Volkes übergroße Pläne hatte. Leissner, so ist zu hören, soll sich nun zur Strafe als Bürgermeister in Bremen bewerben.

Wort-Reich

Pathos gehört auf den spanisch geprägten Philippinen zum Inselalltag. Daß Imelda Marcos, die Witwe des Exdiktators, ihren jüngsten Erfolg bei den Senats- und Kongreßwahlen als eine "Quelle der Erfüllung" preist, ist so gesehen nichts Besonderes. Auch wie sie die Zitterpartie ihres Sohnes Ferdinand Marcos junior (die Wahlstimmen sind noch nicht vollständig ausgezählt) kommentiert, ist nicht ungewöhnlich: Sollte ihr Sohn den Einzug in den Senat verpassen, sagte Imelda kürzlich, dann nur, weil "Verfolger mit finsteren Plänen massiv die Wahl gefälscht haben". Wer weiß, vielleicht hat es die Filipinos nicht einmal verwundert, daß die Witwe für den Fall einer Wahlniederlage ihres Sohnes "nationales Unheil" über ihr Land hereinbrechen sieht. Im Westen fragt man sich nur, welche Worte Imelda wohl fände, wollte sie einmal die düsteren Jahre auf den Begriff bringen, in denen sie und Ferdinand senior über das Inselreich herrschten.