Der Narr auf der Bühne gibt die Cello-Nummer. Sitzt verträumt auf dem Stuhl, das Instrument zwischen die Beine geklemmt. Ein schmachtender Liebesblick nach oben, ein Kuß auf die Holzschulter nach unten, zärtliches Streicheln am Saitenhals. Kicher, kicher im Publikum. Dem Narren fallen die Augen zu, er reißt sie auf, sie schließen sich wieder. Er nickt ein. Dann droht ein Niesanfall, im letzten Moment erstickt. Und endlich setzt der bezauberte Narr den Bogen auf die Saiten, wartet, holt Luft, streicht . . . Nun ja, jetzt kommt die Pointe, und da lacht selbst der mürrische Herr in der Vorderreihe, der seit einer halben Stunde stocksteif den Stuhl drückte.

Triumph für Howard Buten, den musikalischen Pantomimen, dessen Augenbrauen wie beim Notenschlüssel in einem Punkt enden. Mit der gemeinen Zirkusclownvariante, den tolpatschigen Augustgags verbindet ihn allenfalls die Hülle: übergroße Schuhe, rote Nase, schwarzgeschminkte Augen und weißgebleichtes Gesicht. Sonst aber ist Buffo ein Vertreter des subtilen Humors, von leisen Effekten. Er kratzt an der Oberfläche von Dingen und fühlt der Wirklichkeit den Puls. Ergebnis: schöne verkehrte Welt. Staunen.

Dafür liebt ihn das Publikum, und die Kritik schwärmt: "poetisch", "melancholisch", "traurig", "rührend". Der Artist am Frühstückstisch sieht das nüchterner. "Meine Show soll zu 85 Prozent komisch sein, zu zehn Prozent poetisch und zu fünf Prozent traurig", sagt er analytisch und präzise wie ein promovierter Psychologe, der er nebenbei auch ist. Mit seiner unorthodoxen Behandlungsmethode von Autisten hat er sich viele Sympathisanten, aber auch Gegner in der Fachwelt gemacht. Was ihn jedoch wenig stört, denn schließlich bleibt ihm ja noch die Literatur. Howard Buten bestreitet seine dritte Karriere als Schriftsteller. Sein Roman "Burt" wurde in Frankreich zum Millionenseller, die Verfilmung von 1993 war nicht minder erfolgreich. Im Nachbarland gilt Buffo/Buten als Star.

Ein Mann und drei Professionen. In Jeans, T-Shirt und Turnschuhen. Das Haar nach hinten geölt. Eine Augenbraue fragend hochgelüpft.

Wo anfangen? Beim Lieblingsberuf? "Den gibt es nicht. Ich trenne die drei Bereiche strikt, bin von jedem gleich stark fasziniert und gebe in jedem mein Bestes. Aber ich könnte jederzeit auf meine Auftritte verzichten, mit dem Schreiben aufhören und die Arbeit mit Autisten aufgeben. Ich würde es überleben. Tödlich wäre für mich nur, wenn man mir die Freunde wegnähme, die mich seit meiner Kindergartenzeit begleiten."

Also Detroit, wo Howard Buten 1950 geboren wurde. Vater Anwalt. Mutter in frühen Jahren kraft elterlichen Verbots an einer Karriere als Tänzerin und Sängerin gehindert. Doch sie bringt dem Sohn bei, was sie einst bei dem berühmten schwarzen Steptänzer Bojangles Robinson gelernt hat. Und so kann der kleine Howard nicht nur Trompete und Geige spielen, sondern auch die Treppe hochtanzen. Mit zwölf gewinnt er einen Lyrikpreis. ("Vor kurzem hat mir ein Freund das Gedicht wieder gezeigt. Grauenvoll!")

Folgen die späten Sechziger, in denen Buten als Hippie mit der Gitarre in der Hand durch die Staaten trampt und an der University of Michigan für die Revolution übt und nebenbei Chinesisch studiert. Nachdem Sit-ins, Protestmärsche, peace and love seine Lebenserfahrung bereichert haben, bricht er das Studium ab, besucht eine Clownschule in Florida und tingelt mit einem kleinen Zirkus eineinhalb Jahre die Ostküste entlang.