Das dritte deutsche Nachrichtenmagazin ist nicht nur in der Mache, es ist jetzt auch möglich. Nach Gruner + Jahr (via Spiegel), Burda (Focus), Bauer (Ergo, aber die proben noch) werden sich nun alle vier Großverlage auf dem Wochenmarkt treffen. Denn: Springer hat sich von 25 Prozent seiner Beteiligung an News, dem Austria-Spiegel, getrennt und ist nun frei, diesen (oder wie auch immer er heißen wird) in der Bundesrepublik alleine herauszugeben. Zwar mit Rat der News-Brüder Fellner, aber ohne Tat, ohne Einfluß (obwohl der gar nicht so schlecht ist).

Aber der, der das neue Magazin macht, ist auch nicht schlecht: Michael Spreng, schon mit Bild am Sonntag sehr erfolgreich. Die Informationshäppchen, die der Springer-Chef Richter seit geraumer Zeit zu diesem Thema streut, verdichten sich zu einem Gesamtkunstwerk: einem Sonntagsmagazin. Ergo: Spiegel und Focus, die Montagsmacher, müssen aufpassen.

PS: Wir dürfen uns ausnahmsweise einmal selbst zitieren. Am 4. November 1994 stand an dieser Stelle (vorwurfsvoll): Am siebten Tage ruht Gott und auch der deutsche Verleger. Hat Gott seinen Richter gefunden?

Die Presse ist frei. Auch frei von Skrupel? Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte zum 8. Mai unter der Rubrik Traueranzeigen eine besonders traurige Anzeige: "Vae victis. Zum Gedenken an alle Landsleute, die als Folge der ,Befreiung` von Hab und Gut, Heimat und in vielen Fällen auch von ihrem Leben befreit wurden." Der Hinterbliebene: ein August Kaiser aus Essen.

Vae victis - mit besagtem Spruch hat der Gallierkönig Brennus die besiegten Römer beschieden, als die sich weigerten, ihre Reparationsleistung von tausend Pfund Gold gegen erheblich schwerere Gewichte aufzuwiegen. Den Protesten der Römer setzte Brennus noch eins drauf und warf sein Schwert in die Waagschale.

Der Essener Kaiser - wenn es ihn denn gibt - fühlte sich nicht als siegreicher König, sondern als beleidigter Besiegter. Dies wollte er einem größeren Kreis kundtun, zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung. Und das gelang ihm. Der SZ ist die Anzeige "bedauerlicherweise durchgerutscht". Nun steht sie in gleicher Front mit der Konkurrenz, der FAZ, die den Annoncenkrieg zum 8. Mai mit einer Breitfront-Anzeige am 7. April eröffnete: "Gegen das Vergessen" bekannten dort Rechtsgläubige von A bis Z, von Apel bis Zitelmann, dazwischen Dregger und Gauweiler, daß mit der Befreiung vor fünfzig Jahren sich der Terror in Deutschland fortsetzte und die Teilung begann. Artur Brauner und Familie konterten am 6. Mai, ebenfalls in der FAZ, "Wider das Vergessen" und zählten die Greueltaten der Nazis auf, die sie in der Anzeige der "Neuen Rechten" vermißten.

Erheblich sensibler als die Süddeutsche zeigte sich da die Braunschweiger Zeitung. Sie lehnte den Anzeigentext eines Karl-August Hennicke (Postfach Baden-Baden) ab, der an den Tod dreier Luftwaffenhelfer erinnerte und sich nun nicht mehr wundert, "wenn die Nachkommen der Opfer den Wehrdienst verweigern". Im nachhinein bedauerte die BZ ihre Entscheidung. Aber: sie würden zur Zeit mit Anzeigen überschüttet, alle mit dem Tenor: Millionen für Judengräber - nichts für Wehrmachtsoffiziere. Und die Absender: alle Postfachanschrift. Wohl eine konzertierte Aktion.