Die Botschaft einer modernen, reformfreudigen FDP kann der Parteitag nicht erbringen. Ihre Unverzichtbarkeit für die bundesdeutsche Politik ist nicht länger eine Frage gelungener Parteitagsregie. Am Kabinettstisch Helmut Kohls hat die FDP ihre Verzichtbarkeit demonstriert. Dort wäre der Ort, ihren Niedergang zu stoppen. Doch daß ihr Handlungsspielraum mit den jüngsten Turbulenzen größer geworden wäre, leuchtet nicht recht ein. Selbst Schäuble setzt sich vom Kanzler deutlicher ab als sie.

Sicher würden die FDP und Kohl am liebsten die Republik wieder in "Lager" aufteilen. Da CDU/CSU und FDP, dort SPD und Grüne. Aber so einfach wie 1961 ist das nicht mehr im Wiedervereinigungsland. Wieder ist heute die Rede davon, die "bürgerliche Koalition" müsse fortgesetzt werden. Aber im Land steht nicht mehr ein bürgerliches gegen ein nichtbürgerliches Lager, wie könnten es da die Parteien künstlich rekonstruieren?

Die FDP mag sich regenerieren, irgendwie, irgendwann, aber sie ist eben nicht mehr wie ehedem die Mitte dieser Bürgerlichkeit. In der Mitte, nicht nur im Sinne des Mehrheitsbeschaffers - stehen häufig die Grünen. Daß es die klassische Mitte nicht mehr gibt und die Republik selber - der Osten als Sonderfall - bürgerlicher geworden ist, gerade das drücken Helmut Kohl und seine lange, diffuse Kanzlerschaft doch aus. Nein, aus der Bundesrepublik des Patriarchen Adenauer ist mit Kohl ein großes Durcheinander geworden, anstrengend, aber demokratisch. Wie steckt man so etwas in die Flasche zurück?

PS: Schwarz-Grün, sagt Wolfgang Schäuble, ist "das Falscheste", was wir machen können. Sagt Kohl. Sagt Stoiber. Sagt Rüttgers. Sagt Waigel. Sagt Hintze. Sagt Kunz. In Mainz zum Beispiel, flüstert hingegen ein Christdemokrat, könne die CDU nie mehr die SPD ablösen ohne Hilfe der Grünen: Was kann man bloß machen, damit sie dort etwas ansehnlicher werden? Wir brauchen sie doch als Partner, kann da nicht "der Joschka" was tun? Fischer, hilf!