Für viele Zeitgenossen ist Microsoft keine Firma, sondern eine riesige Gemengelage mit Bill Gates als Häuptling. Die Firma produziert Betriebssysteme, Programmiersprachen, Anwendungssoftware, Tastaturen, Bücher, CD-ROMs, betreibt einen Online-Dienst, digitale Bankschalter und vieles mehr.

Heikel ist diese Häufung vor allem dort, wo die Entwickler der Anwendungsprogramme (zum Beispiel Word und Excel) und die von Systemsoftware (DOS und Windows) ihre Köpfe zusammenstecken. Denn wenn etwa die Word-Crew frühzeitig Zugang zu allen technischen Plänen rund um das Basissystem Windows hätte, könnte sie ihr Produkt besser weiterentwickeln als konkurrierende Softwarefirmen und würde zwangsläufig irgendwann den Markt beherrschen.

Deshalb behauptet Microsoft, die Abteilungen seien sauber voneinander getrennt - bemüht wird das Wort von der inneren "chinesischen Mauer". Auch lägen die Programmierbefehle von Windows für alle Hersteller offen.

Das Mißtrauen bleibt. In den USA laufen gegen Microsoft einige Untersuchungen. Ob des Widerstands der Wettbewerbshüter hat die Firma am vergangenen Freitag die geplante Übernahme von Intuit, Marktführer bei der Finanzsoftware, abgeblasen.

In einem anderen Verfahren hat vor einigen Wochen der Richter Stanley Sporkin jene Übereinkunft als zu harmlos zurückgewiesen, mit der das Justizministerium Microsofts Vertragspraktiken mäßigen wollte.

Sporkin beißt sich am Begriff der "integrierten Systeme" fest. Er meint damit die Pakete, die Microsoft dank seiner enormen Palette für die Kunden schnüren kann, in der Art: Windows gibt es nur bei uns, und wer auch noch unsere Anwendungsprogramme dazukauft, bekommt sie so billig, daß die Konkurrenz niemals mithalten kann.

Sporkin hat sich mit seinen Unterstellungen sehr exponiert, bekam aber kürzlich überraschende Verstärkung.