Fünf amerikanische Experten haben sich eine Aufgabe mit hohem Anspruch gestellt: In einer Chronik wollen sie Die Welt der Indianer Nord- und Mittelamerikas von den Anfängen bis zur Gegenwart erzählen (Frederking & Thaler, München 1994; 479 Seiten, 98 Mark). Statt aus der traditionellen eurozentristischen Perspektive schildern sie die amerikanische Geschichte aus indianischer Sicht.

In fünf umfangreichen Teilen, jeweils unterteilt in mehrere Kapitel, beschreiben sie die Entwicklung der Kulturen in Nord- und Mittelamerika. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die gesellschaftlichen Systeme und deren Wirtschaftsgrundlage. Die komplizierte Vielfalt von Sprachen, Nationen und Kulturen wird übersichtlich gegliedert. Ein paar zusätzliche Anmerkungen über Kunsthandwerk und Religion hätten das Bild an manchen Stellen noch besser abgerundet. Auch das abschließende Kapitel von Philip J. Deloria über die Gegenwart hätte ruhig ausführlicher sein können, denn so werden aktuelle Probleme wie Landrechtsfragen oder politische Bewegungen nur kurz angerissen.

Viele Thesen sind neu und wurden in der umfangreichen Literatur über die Indianer bisher noch nicht bedacht. Eindrucksvoll ist beispielsweise die Schilderung des Historikers Richard White im dritten Teil über die vielfältigen Versuche der Indianer, sich im 18. Jahrhundert mit den Weißen durch Handel und Bündnisse zu arrangieren, wodurch neue Traditionen und Stämme entstanden.

Das informative Buch gibt nicht nur einen guten Überblick, es ist auch optisch gelungen. Die umfangreichen Kapitel werden durch 346 Photos, 21 Karten, zahlreiche Abbildungen moderner indianischer Künstler und kurze Texte über Mythen und mit Zitaten aufgelockert.