Wie verfilzt ist die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT)? Nach mehreren Skandalen häufen sich die Indizien, daß die Führung eine parlamentarische Kontrolle der DZT bewußt erschwert.

Inzwischen bläst dem eingetragenen Verein der Wind scharf ins Gesicht: Der Haushaltsausschuß des Bundestages hat der DZT einen Zuschuß von vier Millionen Mark gesperrt. Auch der Bundesrechnungshof ist mißtrauisch geworden. Sein Pressesprecher Heinz Pfost kündigte "noch für dieses Jahr eine umfassende Prüfung" des DZT-Finanzgebarens an.

Mit einem Jahresetat von 55 Millionen Mark wirbt die DZT im Ausland für Urlaub in Deutschland. Zwar stammen 85 Prozent der Mittel aus Steuergeldern, doch Einblick in ihre Kasse gewährt die DZT Volksvertretern ungern. "Da wird geblockt und gemauert", kritisiert die Vorsitzende des Tourismusausschusses, Halo Saibold (Bündnis 90/Grüne).

Die SPD möchte wissen, warum trotz der Streichung von fünfzehn Stellen die Personalkosten um neun Prozent geklettert sind. Offenbar, so der Verdacht der SPD-Tourismusexpertin Susanne Kastner, seien einige der 200 Angestellten in den Genuß großzügiger Gehaltsaufbesserungen gekommen. Kastner vermutet auch, daß sich in der DZT-Spitze Seilschaften lukrative Posten und Aufträge zugeschoben haben: "Da gibt es unsägliche Connections, die voll genutzt werden."

So soll ein Gutachten über die Umstrukturierung der DZT ohne Ausschreibung vergeben worden sein und am Ende nicht die veranschlagten 600 000 Mark, sondern eine Million gekostet haben. "Dieser Sumpf muß trockengelegt werden", fordert die SPD-Politikerin. "Wir brauchen die DZT, aber der Fisch stinkt vom Kopf."

Auch bei der Besetzung der Vorstandsposten in der Frankfurter Zentrale scheint der Dienstweg gelegentlich abgekürzt worden zu sein: Der frühere Verwaltungsratsvorsitzende Hemjö Klein hievte die junge branchenfremde Eva Marie Ellmauer an anderen Bewerbern vorbei in den DZT-Vorstand. Sie hat kürzlich gekündigt.

Ellmauers hausintern höchst umstrittener Kollege Günter Colonius wiederum kommt aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Sein früherer Vorgesetzter, der Ministerialdirektor Ulrich Geisendörfer, vertritt die Bundesregierung heute im DZT-Verwaltungsrat. Geisendörfer verteidigt die DZT: "Sie ist unter unseren Zuwendungsempfängern schon ein bunter Vogel. Aber als Marketingorganisation gibt man eben auch Empfänge, die sonst niemandem genehmigt werden."