Daß deutsche Behörden an jeder Kalamität der hier wohnenden ausländischen Mitbürger schuld sind, auch wenn es sich eindeutig um Schikanen ihrer Heimatländer handelt, überrascht mich bei der ZEIT schon lange nicht mehr. Erfreulich an diesem Beitrag ist lediglich, daß Ihnen hier - ohne die geringste Absicht - ein hervorragendes Plädoyer gegen die doppelte Staatsbürgerschaft gelungen ist.

Otto Bauer, Neckarwestheim

Die in diesem Artikel zu Recht bezeichnete Kafkaeske sollte ja nicht den Leser zur Illusion verleiten, daß diese ein Einzelfall ist. Wie vielen meiner iranischen Bekannten und Verwandten hat auch mich dieses grotesk anmutende Schicksal erfaßt. Vor über dreißig Jahren in dieser Republik geboren und damit mit ihr kulturell und sprachlich bestens vertraut, stehe ich nun ebenfalls in eben diesem siebten (verflixten?) Jahr des Begehrens um Einbürgerung in den deutschen Staatsverband, behaftet mit vielen Kilometern von Bürogängen, ungezählten Schriftstücken und Anfragen. Meine behördlichen Wege kreuzten unterschiedliche Ministerpräsidenten, Ausländerbeauftragte, Dienstaufsichtsbehörden, den Bundespräsidenten und nicht zuletzt das Bundeskanzleramt. Lediglich von letzterem konnte ich bisher zumindest eine suffiziente Stellungnahme über den Stand meines Verfahrens erhalten. Etwas, welches der bearbeitenden Behörde in Berlin trotz mehrmaliger schriftlicher Anfragen (". . . von telefonischen Sachstandsanfragen bitten wir Abstand zu nehmen . . .") seit über einem Jahr nicht mehr gelang.

Erwähnt werden sollte die mit Ablauf der Gültigkeit des Passes regelmäßig notwendig werdende Sicherung des Aufenthaltsstatus, der Beschaffung einer Arbeitserlaubnis und der ständig berufsrechtlich notwendigen Erneuerung der Berufserlaubnis. Von den massiven Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr, für die die Bundesrepublik natürlich nicht direkt zur Verantwortung gezogen werden kann, die aber gemeinsame Unternehmungen mit den deutschen Sozialpartnern nahezu unmöglich machen, ganz zu schweigen. Hinzu kommen behördlich verordnete, restriktive Vergabepraxen von Arbeitsplätzen an sogenannte Nicht-EG-Bürger, zu denen wie ich viele andere hier seit langem lebende Menschen gehören.

Dr. K. Massarrat, Berlin