WOLFSBURG. - Ist VW mit dem Teufel im Bunde? Hat sich Citroën mit den Mächten der Finsternis eingelassen? Glaubt man evangelikalen Protestanten, haben sich die beiden Automobilkonzerne in die Fänge Satans begeben.

Die konservativen Christen zeigen sich entsetzt: Ob Kugelschreiber oder Schlüsselanhänger - auf Werbeträgern von VW prange das Bildnis des Beelzebubs. Und derartige Scheußlichkeiten, warnen sie, sind nur das Beiwerk einer Broschüre mit einer "gräßlichen Satansdarstellung" gleich auf dem Titelblatt. Das Heftchen wirbt in der Tat für die Tournee einer Rockgruppe, die vom VW-Werk gesponsert wird: "Voodoo Lounge" ist der verräterische Titel der Gastspielreise, Rolling Stones der Name der betagten Gruppe. "Schon in den sechziger Jahren und seither immer wieder haben sie satanische Texte gesungen und sich offen zum Satanskult bekannt", klagt der Leiter des Geistlichen Rüstzentrums in Krelingen in der Lüneburger Heide, Wilfried Reuter. "Und auch diese Tournee wird eine breitangelegte Werbung für Satan werden." Reuter forderte daher in der Erwecklichen Stimme, dem Sprachrohr der Evangelikalen, den Vorsitzenden der Volkswagen AG auf, "dieses Material einzustampfen und sich von der Aktion zu distanzieren".

Dazu aber sieht VW keinerlei Grund. Der anstößige Titel der Gastspielreise habe durchaus nichts mit Satanskulten zu tun, beteuert VW-Sprecher Hans-Peter Blechinger, er gehe vielmehr auf eine "niedliche Geschichte" zurück. Während der Aufnahmen zur neuen CD, die wie die Tournee "Voodoo Lounge" heißt, sei dem Stones-Gitarristen Keith Richards eine kleine schwarze Katze zugelaufen. Dieses Kätzchen habe Richards "Voodoo" getauft. Überhaupt haftet dem Begriff "Voodoo" nach Meinung des VW-Sprechers nichts Teuflisches an: "Voodoo kommt aus Afrika und heißt soviel wie beschützender Geist." Die Sorge der Evangelikalen sei also völlig unbegründet.

Die konservativ ausgerichteten Protestanten aber lassen sich von derartigen Erklärungen nicht besänftigen - zumal VW ihrer Auffassung nach kein teuflischer Einzelfall ist, sondern durchaus im Trend liegt. "Das Okkulte wird subkutan hoffähig gemacht", sagt Reuter vom Krelinger Rüstzentrum. Und noch bevor die "Voodoo Lounge" über die Bühne ging, machte Citroën mit dämonischem Schadenszauber von sich reden. Kein Spaß: Der französische Automobilkonzern wirbt für sein neues Modell Xantia mit einem Fernsehspot, in dem eine Frau mit Nadeln auf eine Puppe einsticht. Mit Xantia, so lautet die Werbebotschaft, "sind Sie vor solchem todbringenden Zauber gefeit". Die Konferenz Evangelikaler Publizisten in Wetzlar hat Citroën bereits aufgefordert, die Werbung zu stoppen und sich von der Agentur, die den "widerlichen Spot" entwickelt habe, zu trennen.