Wer die Olympischen Spiele in Atlanta vom 19. Juli bis 4. August 1996 live erleben will, darf keine Zeit verlieren: Das Deutsche Reisebüro (DER) prognostiziert, daß alle attraktiven Eintrittskarten Ende Juni vergriffen sein werden.

In Deutschland sind Olympiatickets ausschließlich über Reisebüros zu beziehen, die das DER-Angebot führen. Der DER-Katalog für Atlanta soll Ende Mai in die Reisebüros kommen. "Nach unseren Erfahrungen dauert es drei oder vier Wochen, bis die Karten für Eröffnungs- und Schlußfeier sowie die Leichtathletikwettbewerbe und andere Finalveranstaltungen weg sind", sagte Gisela Emmerich vom DER.

Als deutscher Generalagent für die Olympiatickets ist der Frankfurter Reiseveranstalter verpflichtet, Karten für die 26 Sportarten auch ohne Pauschalreise abzugeben. Von den insgesamt elf Millionen Karten für die olympischen Wettbewerbe stehen Deutschland im DER-Kontingent zunächst nur 45 000 zur Verfügung. Für die populärsten Ereignisse im Olympiastadion sind es jeweils nur knapp 500: "Da wird es Engpässe geben", ahnt Gisela Emmerich. Das DER, das seit 1960 als Deutschlands olympischer Kartenhändler wirkt, bemüht sich noch um ein größeres Kontingent.

Die günstigsten Pauschalarrangements nach Atlanta bietet DER für knapp 3000 Mark an: Schnupperreisen in der Eröffnungswoche (18. bis 25. Juli 1996), wenn die Leichtathleten noch nicht begonnen haben. Daneben werden zwölftägige Trips für die interessantere zweite Olympiawoche angeboten (25. Juli bis 5. August). Auf über 6000 Mark klettert der Preis für die siebzehntägige Reise, die die gesamten Spiele umfaßt. Eintrittskarten, die zwischen 19 und 1000 Mark kosten werden, müssen jeweils extra bestellt und bezahlt werden.

Dennoch werden, so Emmerich, Olympiatouristen in Atlanta etwas preiswerter davonkommen als 1984 in Los Angeles. Allerdings wird ihnen auch kaum Luxus geboten: "Es ist für uns sehr unbefriedigend, daß achtzig Prozent aller Hotelbetten mit drei bis fünf Sternen von der olympischen Familie geblockt wurden." Quartiere wird das DER darum vor allem in Motels und dem Apartmentkomplex einer Universität anbieten, die Fahrzeit zu den Wettkampfstätten soll 45 Minuten nicht überschreiten.

Erstmals gelten bei Olympischen Spielen die Eintrittskarten am Veranstaltungstag auch als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr. Dennoch rät Gisela Emmerich Olympiareisenden, einen Mietwagen zu buchen.

Anders als beim Kartenverkauf besitzt das DER kein Monopol für Pauschalreisen nach Atlanta. Wegen des Mangels an nahegelegenen Quartieren rechnet Emmerich jedoch nicht damit, daß Olympiatouristen vor ihrer Reise unter vielen konkurrierenden Angeboten wählen können.