Privatfernsehen, das muß in Osteuropa den Rang einer Verheißung haben. Überall tummeln sich neue Sender. Und die alten, die öffentlich-rechtlichen, haben buchstäblich das Nachsehen.

Am rasantesten verlief diese Entwicklung in der Tschechischen Republik. Ivo Mathe hat das besonders hart getroffen. Er, der als Chef des Tschechischen Fernsehens CT seinen Betrieb vom Staatssender in einen öffentlich-rechtlichen ummodeln soll, geriet sogleich ins Hintertreffen. Die Privaten überrollten ihn regelrecht.

Seit Anfang 1992 gilt das neue Fernsehgesetz, das die Privaten ins Geschäft brachte und dem CT die Forderung, künftig von Gebühren zu leben und nicht mehr aus dem Staatsbudget. Die Gütertrennung zwischen Staat und CT war besiegelt.

Die folgende Entwicklung auf dem tschechischen TV-Markt sollte für Ivo Mathe wie im Zeitraffer ablaufen. Mitte 1993 begann in Prag und Mittelböhmen die erste private Station, Premiera, mit einem Seherkreis von 2,5 Millionen Menschen, ihren Regionalbetrieb. Der Einbruch für den öffentlich-rechtlichen Sender kam, als er Anfang 1994 eines seiner drei Programme an den ersten flächendeckenden TV-Privatsender des postkommunistischen Raumes abtreten mußte: Nova.

Die Neue gehört mehrheitlich den Central European Media Enterprises (CME), einer Tochterfirma der amerikanisch-kanadischen Gruppe Central Europe Development Corporation. Bereits jetzt hat Nova einen Marktanteil, der bislang dem Monopol-verwöhnten CT vorbehalten war - beinahe siebzig Prozent. Vladimir Zelezny, der Generaldirektor, kommentiert: "Wir haben alle überrascht. Unsere Konkurrenz, der staatliche Sender CT, hat uns sehr stark unterschätzt, sehr stark."

Ivo Mathe sieht die Verdrängung seines Senders im übertriebenen Privatisierungsdrang des Parlaments begründet: "Nova hat sofort eine Mitgift in Form eines Sendernetzes bekommen. Sie müssen nur die Erhaltungskosten zahlen."

Vladimir Zelezny kann naturgemäß keine Bevorzugung ausmachen: "Unsere Lizenzbedingungen waren schrecklich. Sie waren öffentlich-rechtlich. Jegliche Frustration, jegliche Enttäuschung vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde in die Lizenzbedingungen für Privatfernsehen projiziert."