Als Rob Roy durch das Tor in den Garten von Drummond Castle trat und die Kamera über die Freitreppe und das Parterre schwenkte, "da japste das Publikum förmlich auf", erzählt die Dame an der Burgkasse. Sie hat den Film noch nicht gesehen, aber ihre Cousine in Kanada hat es ihr so berichtet.

Der Renaissancegarten von Drummond Castle ist in der Tat ein atemberaubender Anblick, um so mehr, wenn man nicht darauf gefaßt ist. Ein graues Torhaus, ein Hof aus buckeligen Granitschultern, ein Schritt durch die Mauer auf die obere Terrasse hinaus, und ahhh - wo sind wir denn hier? Am südlichen Rand der schottischen Highlands, Madam.

Eingebettet in ruppiges Gelände, liegt da ein Garten wie frisch vom Friseur: Kieswege, die im Wechsel mit buchsbaumgefaßten Lavendelrabatten ein Andreaskreuz bilden, mauerstarke Eibenhecken, durch die kein Vögelchen schlüpft, Bäume in Zuckerhutgestalt und ein grünes Fell, das, täglich geschoren und gekämmt, seine natürliche Konsistenz nur durch den Duft geschnittenen Grases verrät.

Hier ist er durchgestapft, Rob Roy, der aufrechte Highlander, in gegürtetem Kilt und Plaid, eine Feder am Barett. Kein Höfling, kein Schwert kann ihn aufhalten. Im Kino ist das Liam Neeson, groß und herrlich anzuschauen, ein Mann wie ein Königstiger. Neben ihm wandelt der Marquis von Montrose, so vorbildlich in Fasson wie sein Garten, aber Häme im Mundwinkel und Rachsucht im Herzen. Schlange!

Rob Roy MacGregor hat gelebt; von 1671 bis 1734. Friedlich zunächst in Inversnaid am Ufer von Loch Lomond als Farmer und Viehhändler. Die kleinen strubbeligen schwarzen Highlandkühe waren der Reichtum der Clans; sie sich gegenseitig abzujagen eher ein Gentlemensport als ein krimineller Akt. Die MacGregors stellten darüber hinaus die Bewachung für die großen Viehdriften zum Oktobermarkt in Crieff. Black mail hieß das Schutzgeld, das die Viehbarone dafür zahlten. Es gab auch damals schon Angebote, die man schlecht ablehnen konnte.

Mit dem Marquis von Montrose unterhielt Rob Roy gute Geschäftsbeziehungen, bis sich sein erster Treiber - kein ganz so nobler Charakter wie im Film - mit tausend Pfund des Marquis für ein Joint-venture absetzte und Montrose die Gelegenheit ergriff, das Land von Inversnaid zu konfiszieren, das Haus abzufackeln und nach MacGregor, der hinter dem Spitzbuben hergejagt war, steckbrieflich zu fahnden.

Es war der Beginn einer langen und erfolgreichen Karriere als Gesetzloser. Montrose kam seine Habgier teurer als die vermißten tausend Pfund zu stehen, denn der rote Rob ließ keine Gelegenheit aus, dem Marquis die Perücke anzusengen, sein Vieh zu stehlen und seine Pacht zu kassieren. Bei den Bewohnern der Lowlands als Strauchdieb und Erpresser, dazu als Jakobit und Rebell berüchtigt, hielten ihn seine Leute in den Highlands als einen gewitzten Verteiler von Volksvermögen in Ehren, einen Robin Hood des Nordens. Die Tücke eines Montrose ging ihm ebenso ab wie der Terror selbsternannter Befreiungsbewegungen. Der König der Schotten würde übers Meer aus dem französischen Exil heimkehren und die Engländer aufs Haupt schlagen. Bis dahin mußte man standhalten und die Familie durch den Winter bringen. "Held oder Schurke?" fragt eine Multivisionsshow im Rob Roy Visitor Centre in der alten Kirche von Callender und gibt gleich selbst die Antwort: Sagen wir doch "Geschäftsmann".