Málaga/Madrid

Was für ein Himmel! Glutrotes Licht wärmt die etwa 500 Sozialisten, die an diesem lauen Maiabend hinabgestiegen sind aus den Betonsilos der Ciudad Jardin, der "Gartenstadt". Zwischen den Hochhäusern, vor der kleinen Freilichtbühne des Arbeiterviertels haben sie ihre Holzstühle aufgeklappt und harren der Rede ihres Kandidaten. Da inszeniert die Natur ihr symbolisches Schauspiel: Während Eduardo Martin Toval gerade beginnt, seine Genossen "auf die Schlacht von Málaga" einzuschwören, geht die Sonne unter. Sozialistische Abenddämmerung an der Costa del Sol, es wird kühler.

"Weil es um Málaga geht" - deshalb, nur deshalb sollen sie ihn wählen. Das hämmert Toval seinen Zuhörern ein, das steht auch an der Plakatwand hinter ihm. Aber es stimmt nicht. Wenn am Sonntag 32 Millionen Spanier ihre Bürgermeister wählen und in 13 von 17 Regionen des Landes die Regierungspräsidenten um Stimmen zittern, dann geht es um mehr. Um viel mehr: Längst hat die Opposition den Urnengang zum Plebiszit über Premierminister Felipe González erklärt, seit Wochen wird das Volk zum Mißtrauensvotum gegen die Sozialisten aufgerufen. Und alle Umfragen prophezeien eine vernichtende Abrechnung.

"Eine Schwefelwolke liegt über dem ganzen Land", sagt Joaquin Arango, der als Demoskop die Regierung berät. Es stinkt, die Leute haben die Nase voll. Vor allem die Serie von Korruptionsskandalen hat das Image von Spaniens Sozialistischer Arbeiterpartei (PSOE) ruiniert. Ein bestechlicher Polizeichef, der auch noch die Witwenkasse der Guardia Civil plünderte, ein Zentralbank-Gouverneur, der Steuern hinterzog - das verbittert, zumal in Zeiten, da annähernd jeder vierte Bürger ohne Arbeit ist. Vielleicht kann die PSOE sich noch das Rathaus von Barcelona bewahren, auch im Armenhaus der Nation - der Extremadura - dürfte nach wie vor ein Sozialist regieren. Aber sonst? Eine konservative conquista wird die Regionen Madrid, Valencia und Asturien erobern, alte Hochburgen wie Zaragossa oder Granada fallen mit zehn oder gar zwölf Prozentpunkten Vorsprung an die Partido Popular (PP), die rechtsliberale Volkspartei. Und von links zersetzt die kommunistisch dominierte Izquierda Unida (IU) die letzten Lehen der PSOE.

Der saure Regen der Verbitterung wird am Sonntag auch über Málaga niedergehen. Martin Toval will das Unwetter nicht noch herbeireden. Deshalb erwähnt er an diesem Abend in Ciudad Jardin kein einziges Mal den Namen Felipe González. Den mag Toval sowieso nicht; der ehemalige Fraktionschef im Madrider Parlament macht als einer der Wortführer des rostroten PSOE-Flügels, der guerristas, dem Regierungschef seit langem in den eigenen Reihen das Leben schwer.

Nur die Taktik, die hat sich Toval von ihm abgeschaut. So wie vor knapp zwei Jahren, als González mit dem Schreckgespenst der Rechten, mit der Warnung vor drohenden Rentenkürzungen und allgemeinem Sozialabbau wider Erwarten noch einmal die Parlamentswahlen gewann und eine Minderheitsregierung schuf, so redet heute auch der Kandidat für das Rathaus. Er schürt Ängste, als sei die Volkspartei nur ein Hort aller Enkel und Erben des Franquismus; und er fordert Dank ein "für das, was wir geleistet haben".

Rückschritt oder Sozialismus: "Erinnert euch, wie Málaga aussah, als wir damals anfingen!" So werden wenigstens die Veteranen unter den Anhängern mobilisiert, die in Ciudad Jardin einzogen, als an der Costa del Sol der Hotelboom begann und die Franco-Diktatur für die Bauarbeiter und die Zimmermädchen der Touristen öde Wohnblocks aufs staubige Feld stellte. Die asphaltierten Straßen, die Laternen, die Schule, die kleine Freilichtbühne - all das schenkten dem Viertel die Sozialisten, die seit nunmehr sechzehn Jahren im Rathaus regieren. Spaniens Modernisierung, hier hat sie tatsächlich bescheidenen Wohlstand geschaffen.