Den Mächtigen dienen, das ist auch heute noch vorrangiges Ziel und Verpflichtung vieler Journalisten in den Ländern des Balkans. Nicht nur für Exjugoslawien gilt: Der, der sich die Pressefreiheit nimmt, bringt sich leicht in Gefahr, gelegentlich gar in Lebensgefahr.

Wer sich die neuere Geschichte dieser Länder vor Augen führt, erst die osmanische, dann die faschistische, schließlich die kommunistische Unterdrückung, könnte versucht sein zu sagen: Was soll's. Nichts Neues.

Jedoch: Daß sich Journalisten auf dem Balkan gesellschaftlich engagieren, dafür gibt es zahllose Belege - von heute bis zurück ins 19. Jahrhundert, die Zeit des Befreiungskampfes der Balkanvölker gegen die osmanische Herrschaft. Viele Journalisten standen immer wieder ganz vorn in den Reihen der politischen und kulturellen Emanzipationsbewegungen ihrer Nationen, so daß sich politische und journalistische Arbeit kaum trennen ließen. Sie waren beeinflußt von den Idealen der bürgerlich-demokratischen Revolutionen in West- und Mitteleuropa, auch von der Vision einer freien und unabhängigen Presse. Doch ihre Arbeit litt immer unter dem Spannungsverhältnis mit den starken etatistischen bis autoritären Traditionen auf dem Balkan.

Bis zur Machtergreifung durch die kommunistischen Parteien konnte sich aber dennoch ein auch nach europäischen Maßstäben bedeutender Journalismus entwickeln. Erinnert sei an die bereits 1903 gegründete und heute so einseitig machtkonform veränderte Belgrader Zeitung Politika und an die bulgarischen Zeitungen Sora und Utro.

Aber selbst in der bürgerlichen Ära, besonders in den Zeiten der faschistischen Diktaturen, waren andersdenkende und -schreibende Journalisten und auch ganze Zeitungen brutalen und rigorosen Schikanen und Verfolgungen ausgesetzt. Die typischen Merkmale, damals wie heute, vor allem in Exjugoslawien: politische Polarisierung und Zersplitterung in den jeweiligen Journalisten-Gilden, selbst wenn es um die Erkämpfung der eigenen Rechte und Freiheiten als Berufsgruppe geht.

In den Zeiten der kommunistischen Herrschaft waren aber gegenläufige, alternative Meinungen kaum zu hören. Das ist vor allem mit den Besonderheiten des Balkan-Kommunismus zu erklären, der sein Profil nicht nur im Sinne der marxistisch-leninistischen Doktrinen, sondern auch des östlich-paternalistischen Herrschaftsverständnisses geformt hat. Die Regime von Nicolae Ceauçescu in Rumänien, von Josip Broz Tito in Jugoslawien, von Todor Schiwkow in Bulgarien und von Enver Hodscha in Albanien gingen gegen Meinungen, die von der offiziellen Norm abwichen, mit einer Brutalität vor, die in Polen, der Tschechoslowakei oder Ungarn wenigstens in ihrer äußeren Erscheinung anders gekleidet werden mußte.

Journalistische Alternativen hatten nur westliche Radios zu bieten wie Radio Free Europe, BBC, VoA, Radio France Internationale oder die Deutsche Welle. Die wurden zwar bis in die achtziger Jahre hinein massiv gestört, aber von einem Teil der Bevölkerung, besonders von der Intelligenz, durchaus gehört. Publikationen von Exiljournalisten und -schriftstellern konnten dagegen, im Unterschied zu Ostmitteleuropa, kaum in die Balkan-Länder hineingeschmuggelt werden, weil die Kontrollen und die Strafen viel schlimmer und entsprechende Kommunikations- und Distributionsnetze kaum ausgebaut waren.