Glauben Sie auch, daß es ihn nicht mehr gibt? Etwa nie gab? Den kinderbewegten Mann? Nun, dann kennen Sie Paps nicht. Pünktlich zum Vatertag kommt Paps - die Zeitschrift für Väter in einer Auflage von 4000 Exemplaren auf den Markt. Alle zwei Monate ist sie fortan für 3,50 Mark bundesweit zu haben.

Mehr als dreißig Seiten rund um Vaterdasein und Väterpolitik. Die Diskussion um die Reform des Familienrechts, Informationen über Rechtliches im Trennungsfall, über Unterhaltszahlung und Erziehungsurlaub. Feministin Betty Friedan über Männer und Frauen. Buchtips für Vater und Kind, Seminare für den männerbewegten Daddy ("Vater-Kind-Brause mit Sause"), Praktisches zur Kindererziehung von der Frage nach den Stützrädern ("Die Aneignung der Radfahrtechnik ist kein Kinderspiel") bis zum Reiz des umweltschädlichen Batteriespielzeugs. Paps weiß Rat.

Herausgeber der Zeitschrift ist der Verein Väteraufbruch. Gegründet 1988, hat er mittlerweile 27 Niederlassungen und etwa 500 Mitglieder. Ein kostenloses Vereinsblättchen war der Vorläufer von Paps. Der Verein ist Anlaufstelle für Väter in Trennungs- oder Scheidungssituationen und zunehmend auch für Väter, die sich einfach mehr um ihre Kinder kümmern möchten, manchmal selbst Erziehungsurlaub nehmen oder Teilzeit arbeiten. Auf Väterfrühstücken, Kinderfesten oder Vereinsabenden.

"Es war einfach Zeit für Paps", meint Werner Sauerborn, Mitglied der vierköpfigen Paps-Redaktion in Stuttgart und seit zwei Wochen Vollzeitvater im Erziehungsurlaub für seinen Sohn Willie. "Wir hatten das Gefühl, daß hier etwas in Bewegung gerät. Immer mehr Väter suchen eine engere Beziehung zu ihrem Kind und denken über ihre Vaterrolle nach." Noch halten sich die Folgen in Grenzen. Noch immer sind Väter, die sich vornehmlich ihrem Nachwuchs widmen, eine Minderheit: Nur 1,8 Prozent der Männer nehmen Erziehungsurlaub, gerade jeder zwölfte Teilzeitarbeitende ist ein Mann. "Auch übernehmen nach wie vor die meisten Männer kaum Aufgaben im Haushalt. Das zeigen die neuesten Untersuchungen", sagt Rotraut Oberndorfer vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg, "Aber Kinder gewinnen für Männer zweifellos an Bedeutung. Immer mehr beteiligen sich an der Kindererziehung." Freilich bleibt es meist beim gemeinsamen Spielen.

Da die Frauen zunehmend in männliche Gefilde rücken, droht der Funktionsverlust für die Väter im familiären Bereich. Wenn nicht Ernährer der Familie - was ist der Vater dann? Identifikationsfigur oder Kuschelpaps, Sonntagsvati oder Hausmann. In Paps diskutieren Trennungsväter, Full-time-Daddys sowie Väter, die sich bisher nur wenig um ihre Kinder gekümmert haben, über ein neues Rollenverständnis.

Paps will Plattform sein, verheißt das Editorial, "für Gärungs- und Klärungsprozesse um das neue Vaterbild, um das die Gesellschaft ringt". Raus aus den Nischen. Anrücken gegen Rollenbilder zwischen windelfaltendem Weichei und strammer Machoattitüde. Einst als Held gerühmt, dann als schlapper "Mappi" verpönt, geht es nun um die Suche nach neuen Vaterbildern.

Da gärt es zum Beispiel im Alltag. Wie neulich, als Paps-Redakteur Werner Sauerborn an der Wursttheke stand. Kaum trat Willie, vierzehn Monate, zwei Schritte von der Seite seines Vaters, eilte ein Schwarm Frauen zur Hilfe. Na, hast du deine Mami verloren? Oder damals auf dem Kindergartenjahreselternputzabend in Stuttgart. Als Markus Martin, ebenfalls Paps-Redakteur, Trennungsvater, drei Tage in der Woche für seine vierjährige Tochter Lina zuständig, in der Mutterrunde seine Besorgnis äußerte, daß Lina nicht wie die anderen Kinder herumgetollt habe. Nein, keine Sorge, bestätigten ihn die anderen Mütter wie aus einem Munde. Du machst alles richtig.