Wollen Sie einen Verlag kaufen? In Nürnberg ist einer preiswert zu haben. Sebaldus heißt er, benannt nach dem Schein-Heiligen der Stadt (man kennt ihn nicht so genau). Unüblich offen und ehrlich hat jetzt sein Aufsichtsratsvorsitzender Georg Beyer kundgetan, daß er mit Interessenten verhandele.

Das Objekt ist reizvoll. Eine Milliarde Umsatz, innovative, ausgelastete Druckerei, 25 Zeitschriftentitel. Der Haken: kein oder kaum Gewinn (1994: 2 Millionen). Gleichwohl ist die Braut begehrenswert. Der oberste Aufseher nennt auch ihren Preis: zum Einstieg (Kapitalmehrheit) 100 bis 200 Millionen.

Ist das viel? Ist das wenig? Lasset uns rechnen: Ein solider Verlag mit einer Milliarde Umsatz müßte, bei guter Führung, seine zehn Prozent bringen. Gehandelt werden Verlage so: Man fängt mit siebenbis achtmal vom erhofften, erst noch zu verdienenden Jahresgewinn an, drückt - nach Einsicht der Bücher - auf Faktor fünf und käme im Beispiel Sebaldus auf 250 Millionen für 51 Prozent (ohne Mehrheitszuschlag).

Warum, so rätselt nun die Branche, will der Verkäufer weniger? Ist es die in Askese geübte katholische Kirche (Erzdiözese Bamberg), die mit zehn Prozent an Sebaldus beteiligt ist? Nobody knows. Doch, einer: der neue Geschäftsführer, Dr. Rainer Cordes. Während seine Druckerei eine Perle ist, sind die Verlagstitel eher Murmeln. Ihren Kick erhalten sie von einer Redaktionscrew in München (200 Mann stark), die diese Arbeit für runde 50 Millionen Mark tut. Und das tut sie, wie Redaktionen das so zu tun pflegen: einfach und genial. Das Ergebnis sind so wesentliche Titel wie: Ein Herz für Tiere, Geliebte Katze, Partner Hund, Ara-Rätselmagazin. Auch die 2 und die aktuelle. Und die Programmzeitschrift Gong. Alles Produkte im Geiste ihres früheren Chefs Helmut Markwort (heute Focus), dessen Einfälle ebenso einfach wie genial sind: Was andere können, kann ich auch, nur billiger.

Warum die Geschäfte bei Sebaldus nicht mehr so gut laufen (seit 1991), das würde der Geschäftsführer gerne wissen. Und: welche der 23 Titel eigentlich rentieren und welche nicht. Da gab es Zoff. Sein Redaktionsdirektor, Bob Borrink, langjähriger Markwort-Vize, war über dieses Controlling entsetzt und wurde von Cordes wegen Meckerns ersetzt. Das machte den Weg frei für Verhandlungen. Burda ist interessiert (soll der Gong mit Bild und Funk fusionieren?), dito Bertelsmann (die Druckerei wäre höchst willkommen). Gemeldet hat sich auch der Dritte Mann, in Gestalt einer Frau: Gudrun Bauer, Gattin des gleichnamigen Hamburger Konzernherrn, seines Zeichens Marktführer der Programmpresse. Nur: Das weiß auch das Kartellamt.

Ja - und da ist noch ein Handicap. Der Sebaldus-Verlag hat 193 Gesellschafter, von der einen heiligen Kirche (10,6 Prozent) bis zum einzelnen Benno Bott (0,02 Prozent) und mittendrin Helmut Markwort (0,06 Prozent). 145 der Gesellschafter müssen für den Eintritt des 194. stimmen. Schwierig? Der Aufsichtsrat meint nein: Für die sei das doch "wie ein Lottogewinn". Allerdings - ohne Gewähr.