Die Amerikaner lieben ihre Geschichte. Wer historische Stätten in den USA besucht, spürt es: Die erste spanische Siedlung in St. Augustine (Florida), der Freedom Trail in Boston, die Independence Hall in Philadelphia oder die Schlachtfelder von Gettysburg, Vicksburg und Atlanta werden als nationale historische Stätten gehegt und gepflegt. Gemeinsame Geschichte verleiht Identität, nationale Integration und ein gemeinsames historisches Erbe; das verbindet und verpflichtet.

Ein lebendiges Beispiel amerikanischer Geschichtspflege ist die "Plimouth Plantation" bei Plymouth in Massachusetts - eine gute Autostunde von Boston entfernt. Hier landeten am 21. Dezember 1620 die Pilgerväter auf der Mayflower, dem legendären Schiffchen der Puritaner aus England, auf der Suche nach Glaubensfreiheit und einem neuen Leben. Die Mayflower war am 6. September 1620 mit 102 Menschen an Bord in See gestochen. Nach stürmischer Überfahrt und einer Landung auf Cape Cod legte sie am Strand von Plymouth an.

Die Mayflower II im Hafen von Plymouth gehört zum historischen Zentrum Mayflower II und Plimouth Plantation. Die Mayflower II besticht durch einfache Ausrüstung und schlichte Form. Plymouth Rock und Plimouth Plantation sind historische Wallfahrtsorte. Jedes Schulkind hat von der Landung der Pilgerväter auf Cape Cod und am Strand von Plymouth gehört.

Besucher des "lebenden Museums" von Plymouth werden in das Jahr 1627 versetzt. In der kleinen Holzbausiedlung am Hang mit Blick auf Bucht und Meer leben die Pilgerväter wie zu Beginn des 17. Jahrhunderts: living history vom Feinsten. Die Puritaner tragen historische Kleidung und sprechen die Mundart des frühen 17. Jahrhunderts. Sie haben die ersten schrecklichen Winter überlebt und beginnen sich in der neuen Heimat einzurichten. Drei Schiffe sind zusätzlich aus England gelandet. Etwa 250 Menschen leben jetzt hier.

Im Dorf pulsiert das Leben: Frauen und Männer in puritanischer Tracht laufen über die Sandwege, kochen, melken, backen, arbeiten, werken und plaudern wie zu Shakespeares Zeiten: "Plucking the duck" mit kurzem "U" ist die Arbeit der Hausfrau, während der Mann im Walde jagt. Ob der Junge zur Schule geht? "Nay", meint die fleißige Entenrupferin, dann könne er dem husband auf dem Felde nicht helfen. Lesen und schreiben wären vertane Zeit, da der Junge in Wald und Feld viel nützlicher sei.

Die Besucher der Plimouth Plantation mischen sich unter die Puritaner und plaudern mit den Siedlern. Wer hier mitreden will, muß das 17. Jahrhundert kennen, denn die Pilgerväter sind kontaktfreudig, gesprächswillig und informiert. Sie reden gern von Politik, Religion, Wetter, Indianern, Ackerbau und Fischen.

Da der Dreißigjährige Krieg in Europa wütet, spricht der Chefideologe der Puritaner, Mr. William Brewster, über die neuesten Nachrichten aus Spanien, Schweden und England. Mr. Brewster hat in Cambridge studiert. Er schimpft auf den englischen König Jakob I., der den Puritanern die kirchlichen Freiheiten verweigert hat. Sein Sohn, Karl I., sei auch nicht besser. Er begünstige die Katholiken, "the Romish" und "the Romish Church", und strebe nach absoluter königlicher