Ähnliches gilt für einen neu zu errichtenden UN-Sozialrat. Seine ebenfalls 23 Mitgliedsstaaten sollen, wie im Wirtschaftsrat, auf der Grundlage geographischer und demographischer Repräsentanz gewählt werden. Zu seinen dringlichsten Aufgaben gehört der Schutz der Menschenrechte. Er soll ferner im Bereich der sozialen Entwicklung Maßnahmen für Bildungs-, Gesundheits-, Umwelt- und Bevölkerungsfragen behandeln und zu einer Politik nachhaltiger Entwicklung zusammenführen. Auch für den Wiederaufbau von in sich zerfallenen Staatswesen soll er die Verantwortung tragen und damit Aufgaben des aufzulösenden Treuhandrates übernehmen.

Ziel dieser Reform ist, die menschliche Sicherheit in einem umfassenden, nicht nur militärischen Sinn zu begreifen. Dazu ist sowohl die Mitwirkung der verantwortlichen Regierungen in den Räten als auch die Einbeziehung der civil society, der nichtstaatlichen Gruppen und Akteure, erforderlich.

Im klassischen Sicherheitsbereich ist eine Reform der Struktur des Sicherheitsrats unabdingbar. Seine derzeitigen fünf ständigen Mitglieder vertreten die Völkergemeinschaft mit ihren Interessen und Nöten nur einseitig. Die Kommission schlägt vor, den Sicherheitsrat von bisher 15 auf bis zu 23 Mitglieder zu erweitern, damit die Staatengemeinschaft ausgeglichener repräsentiert werden kann. Die Zahl der ständigen Mitglieder soll um maximal fünf erhöht werden. Es ist viel von der Erweiterung der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats um zwei neue Kandidaten die Rede, nämlich um Japan und Deutschland. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Kraft dieser beiden Länder und ihre vergleichsweise großen Beiträge zum Haushalt der Uno ist dies auch verständlich, aber für sich allein weder sinnvoll noch durchsetzbar. Es wäre dem Willen der großen Mehrheit der Vollversammlung ganz zuwider, wenn die Macht im Sicherheitsrat dadurch noch eindeutiger in die Hand der großen Wirtschaftsnationen gelangte, wenn also die ständigen Mitglieder beinahe übereinstimmend mit den G-7-Ländern wären. Auch ist kaum vorstellbar, den Kreis der ständigen Mitglieder zu erweitern, ohne Lateinamerika und Afrika einzubeziehen und ohne an das fast eine Milliarde Menschen umfassende Indien zu denken.

Wenn aber die Anzahl der ständigen Mitglieder wächst, dann darf ihr Veto die Arbeit des Sicherheitsrats nicht noch weiter blockieren. Deshalb soll nach Vorstellung der Kommission das Vetorecht auf diejenigen Fälle begrenzt werden, die sich auf den Einsatz militärischer Mittel beziehen. Diese Neuregelung soll auch dann in Kraft treten, wenn die Zahl der davon betroffenen Länder unverändert bliebe.

Die Kommission schlägt ferner vor, eine unmittelbar dem Sicherheitsrat unterstehende UN-Eingreiftruppe zu schaffen. Eine solche Truppe von zunächst etwa 10 000 Personen soll durchaus nicht reguläre Blauhelm-Missionen ersetzen. Ihr Eingreifen soll vielmehr eine Eskalation von Krisensituationen rechtzeitig verhindern. Immer wieder, zuletzt in Ruanda, hat sich gezeigt, daß die Uno Mord und Not und Flüchtlingsdramen möglicherweise hätte eindämmen oder gar verhindern können, wenn sie rechtzeitig und mit angemessenen Mitteln an Ort und Stelle gewesen wäre. Es war nicht die Schuld der Uno, daß die Entsendung von Blauhelmen oder auch nur von Beobachtermissionen ein langwieriges, vom politischen Unwillen zaudernder Kanzleien abhängiges Unterfangen geblieben ist. Die Eingreiftruppe soll sich aus hochqualifizierten, von der Uno rekrutierten und gemeinsam ausgebildeten Freiwilligen zusammensetzen. Sie soll eine militärische und eine zivile Komponente umfassen.

Ungeachtet aller strukturellen Defizite behindert gegenwärtig kein anderes Problem die Uno stärker in ihrer Arbeit als ihre ständige finanzielle Krise. Viele Mitglieder zahlen ihre Beiträge unregelmäßig, verspätet oder gar nicht. Vor allem die Vereinigten Staaten, die ein Viertel des regulären Budgets beitragen, versuchen immer wieder, eigene Forderungen gegenüber der Uno durch Verzögerung ihrer Zahlungsverpflichtungen durchzusetzen. Im amerikanischen Kongreß wird fast nur über die verschwenderische Arbeit der Uno und ihre aufgeblähte Bürokratie diskutiert. Niemand bestreitet, daß dort gespart und rationeller gearbeitet werden muß. Ein deutscher stellvertretender Generalsekretär ist am Werk, um dies durchzusetzen. Im ganzen aber ist dies in der amerikanischen Debatte zumeist nur ein Vorwand.

Das UN-Budget ist im Vergleich zu den nationalen Haushalten geradezu winzig. 1994 betrug der UN-Haushalt unter Einschluß aller Blauhelm- Missionen 8,3 Milliarden Dollar. Das sind pro Kopf der Weltbevölkerung weniger als zwei Dollar, verglichen mit 150 Dollar, die für Rüstungsgüter ausgegeben werden. Seit fünfzehn Jahren ist das reguläre Budget, vom Inflationsausgleich abgesehen, überhaupt nicht gewachsen.