Anscheinend hat der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Heinrich L. Kolb, keine Ahnung von Rüstungsexporten am Rande der Legalität. Auf Anfrage der Abgeordneten Angelika Beer (Grüne/Bündnis 90) teilte Kolb jedenfalls mit, die Regierung habe "keine Kenntnis" davon, daß die Türkei in Lizenz hergestellte Maschinenpistolen MP-5 illegal und ohne Bonner Wissen exportiere. Bei dem 1983 zwischen Heckler & Koch und dem türkischen Unternehmen MKE geschlossenen MP-5-Lizenzvertrag seien der Türkei "keine Exportrechte zugestanden" worden, teilte Kolb der Abgeordneten mit. Ottfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit, fand aber heraus, daß sich "die staatliche Rüstungsindustrie der Türkei um die deutschen Endverbleibsklauseln und Exportverbote nicht schert". Nassauer zitierte dazu den Exportdirektor der türkischen Firma MKE, Ismet Sokmensuer, dessen Äußerungen auch Kolb im Rüstungsfachblatt Defense News vom 22. Mai hätte nachlesen können: "Wir verkaufen MG-3-Maschinengewehre und MP-5-Maschinenpistolen im Wert von einigen Millionen Dollar in einige wenige Länder des Mittleren Ostens." Da darf man gespannt sein, auf welcher Seite die Bundeswehr-Eingreifer beim potentiellen Bosnien-Einsatz dem Produkt deutscher Zuverlässigkeit begegnen werden.

Der Bonner Photojournalist Camillo Fischer, von Konrad Adenauer mal als der "penetranteste Journalist" geziehen, von Richard von Weizsäcker hingegen als "Wohltäter der Menschheit" gelobt, hat wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Beim Bonn-Besuch des chinesischen Staats- und Parteichefs Jiang Zemin rief er dem unüberhörbar zu, er solle den umstrittenen Staudamm am Jangtsekiang stoppen, weil er eine ökologische Gefahr für China und die ganze Welt sei. Bei einer anderen Gelegenheit verwickelte Fischer Veba-Vorstandsmitglied Kurt I. Lauk in ein Umweltgespräch über die Ökokatastrophe am Aralsee/Westturkestan. Er empfahl ihm, sich für die Rettung des vom Austrocknen bedrohten Sees zu engagieren. Fischer, der diplomierter Landwirt ist, möchte die ökologisch ruinierte Region mit dem Anbau von Hanf für die Papierproduktion wiederaufforsten. Das wäre zugleich ein Beitrag, die nordischen Wälder vor dem Kahlschlag für die Zeitungsherstellung zu retten. Schon die erste Gutenberg-Bibel sei auf Hanfpapier gedruckt worden. Als griffigen Werbeslogan legte der preisgekrönte Photograph Lauk als Produzenten von Aral-Benzin den Spruch nahe: "Aral rettet Aral".

Zwar bedauert Forschungsstaatssekretär Bernd Naumann, daß der einzige in Deutschland ansässige Photovoltaikproduzent, die Angewandte Solarenergie ASE GmbH, seinen Standort in Wedel/Schleswig-Holstein schließt, während er sie in den Vereinigten Staaten ausbaut. Eine Rückforderung geleisteter Subventionen für die Photovoltaik mochte er daraus aber nicht ableiten. Auf Anfrage der Abgeordneten Lilo Blunck (SPD) meinte Neumann, keine Firma wäre mehr bereit, sich um staatliche Gelder für risikoreiche Techniken zu bemühen, wenn die Mittel zurückgezahlt werden müßten, falls eine wirtschaftliche Verwertung am Standort Deutschland nicht realisierbar sei.