Sie kaufen sich das Gefühl, mächtig und liebenswert zu sein: Zu Hunderttausenden reisen alljährlich Männer aus dem reichen Norden in die Rotlichtbezirke des armen Südens, wo Sex noch billig zu haben ist. Gleichzeitig werden Frauen en masse aus der Dritten in die Erste Welt importiert - als hoffentlich pflegeleichte, jedenfalls aber abhängige Ehefrauen oder auch als wehrloser Nachschub für Bordelle.

Seit fünfzehn Jahren versucht die Nonne Lea Ackermann das Elend von Prostituierten in Afrika wie auch die verzweifelte Situation manch einer ausländischen Frau in Deutschland zu lindern; hier wie dort hat sie Hilfsprojekte initiiert. Von ihren Erkenntnissen und Erfahrungen berichtet sie mit engagierter Anteilnahme, jedoch auch ein wenig betulich in dem Buch "Die Frau nach Katalog. Sextourismus und Frauenhandel - und was eine couragierte Nonne dagegen tut" (Herder-Verlag, Freiburg 1994; 151 Seiten, 14,80 Mark), zu dem die Journalistin und Emma-Mitarbeiterin Cornelia Filter ebenfalls ein paar Kapitel beigesteuert hat.

Die Ursachen einer Situation, die Frauen aus exotischen Urlaubsländern zur käuflichen Ware macht, erkennen die Autorinnen in der wirtschaftlichen Kluft zwischen Erster und Dritter Welt. Ihre Beschreibung der Freier und der potentiellen Ehemänner ausländischer Frauen, denen sie drei der neun Kapitel widmen, ist allerdings gelegentlich geprägt von populär-feministischer Empörung. So verschenkt der durchaus facettenreiche Band einen Teil seiner Wirkung, den er bei mehr Nüchternheit haben könnte: Männer werden sich jedenfalls kaum als Leser angesprochen fühlen.