Noch vor sehr kurzer Zeit tingelte ein unbekannter Jazzmusiker namens John Larkin durch die europäischen Hotelbars und erfreute seine Zuhörer mit Scat-Gesängen. Heute gibt es Scatman John. Er ist Popstar, Schallplattenmillionär, weltweit bekannt und ganz oben in allen Hitparaden der Erde. Egal ob in Deutschland, Japan, Malaysia oder im Libanon, man staunt über Scatman und tanzt zu den sinnlosen Silbenfolgen im Discosound. Eine Blitzkarriere in drei Monaten.

In den ersten Tagen dieser drei Monate - John Larkin tingelt noch - landet eine selbstaufgenommene Swing-Kassette des weißen Amerikaners auf dem Schreibtisch von Axel Alexander, einem Manager der Hamburger Plattenfirma BMG-Ariola, zuständig für die Suche nach neuen Talenten. Alexander gefällt der Scat-Gesang, er überlegt, in welcher möglichst "publikumswirksamen Verpackung" das verkauft werden könnte. Zunächst dachte der Manager an eine Jazz-HipHop-Version, dann entschied er sich für "eine sehr kommerzielle Dance-Nummer".

Dabei hat John Larkin auf den ersten Blick gar nichts von einem Disco-Popstar: Er ist 53 Jahre alt, trägt graue Anzüge, hat abstehende Ohren und stottert extrem. Aber genau das ist natürlich der Clou: Denn wird so ein Sonderling nur einigermaßen bekannt, kann die öffentliche Bewertung seiner Person umschlagen - und er steigt zur Kultfigur auf.

Da Larkin als exzellenter Jazzpianist und -sänger keinen Draht zu kommerzieller Discomusik hat, hielt der entschlossene BMG-Manager Ausschau nach geeigneten Produzenten und fand sie kurze Zeit später in der Dachwohnung eines Mehrfamilienhauses in Bottrop.

Dort betreiben Tony Catania und Ingo Kays ein kleines, aber mit allen technischen Raffinessen ausgestattetes Tonstudio. Catania und Kays, bis dahin nur einer eher überschaubaren Gemeinde von Techno-Fans ein Begriff, luden John Larkin für einen Tag nach Bottrop ein. Sie baten ihn, über Standardharmonien zu improvisieren und zu scatten. Anschließend, Larkin war bereits wieder unterwegs, begann die eigentliche Arbeit der Dance-Spezialisten.

"Wir versuchten, aus diesen Vokalteilen in unseren Computern etwas Neues zusammenzubasteln", beschreibt Tony Catania den Vorgang. "Wir haben kleine Scat-Teile so aneinandergeschnitten, daß sie genau im Rhythmus liegen, und haben alles in ein wesentlich schnelleres Tempo in unseren Geräten umrechnen lassen. Dennoch hört sich alles sehr realistisch an. Schließlich entwickelten wir eine neue Melodie mit neuen Harmonien, zu denen er so nie gesungen hatte." Als man Larkin das Ergebnis vorspielte, staunte er, reagierte aber mit Humor. Er freut sich, daß wenigstens seine eigene Stimme verwendet wurde, und mittlerweile könne er sowieso jeden Teil der Platte perfekt nachsingen.

Manager Alexander, von der Single begeistert, beschloß, "das Produkt marketingmäßig massiv zu unterstützen". Also wurde Werbung gebucht, und die Promotionabteilung von Ariola machte sich an die Arbeit. Tag und Nacht lief ein Videoclip auf dem Fernseh-Musikkanal Viva, die Plattenverkäufe zogen an. Scatman John stürmt die Hitparaden.