Seit 1977 betreibt Lothar Bossle dank der Gnade des damaligen Landesherrn Franz Josef Strauß und gegen den Widerstand der Studenten einen Soziologielehrstuhl an der Universität Würzburg. Es ist Bestandteil seines Lebenslaufs geworden, was die ZEIT vor beinahe sieben Jahren über dieses Unternehmen schrieb. Munzingers Internationales Biographisches Archiv, erste Hilfe jeder Zeitungsredaktion, zitiert aus dem Artikel vom 4. November 1988: "Jeder Dreck kann hier als Dissertation durchgehen . . . Wer anderswo verzagen müßte, kann bei Bossle seinen Doktor bauen, und am wenigsten hindert ihn dabei die richtige Gesinnung und eine dicke Brieftasche. Denn aus solchen Arbeiten entwickelte sich eine völlig neuartige Schule der Würzburger Soziologie, die einen lukrativen Niederschlag fand in dem von Bossles Ehefrau betriebenen Creator Verlag, wo betuchte Doktoranden ihre Arbeiten als Buch drucken lassen können . . ." Der Munzinger, in dem solche Zitate nicht zur Routine der biographischen Berichterstattung gehören, fährt fort: "Bossle bestritt zwar die Behauptungen des ZEIT-Artikels, dessen Inhalt auch von anderen Zeitungen wiederholt wurde, entschieden, unterlag dann aber in einem nachfolgenden Rechtsstreit in allen Punkten."

Zwar mußte Bossle den Creator Verlag, an dem er auch selbst beteiligt war, auf Anweisung des Kultusministeriums verkaufen, doch Creator besteht fort als eine Edition im tiefkatholischen Paderborner Bonifatius Verlag, die Bossle alles andere als fernsteht. Dort erscheinen seither seine Bücher, 1992 etwa die ehrlich gemeinte soziologische Untersuchung "Beethovens Sieg über Lenin".

Noch schöner liest sich - auch bei Creator - die Festschrift für Lothar Bossle zum 65. Geburtstag am 10. November 1994, herausgegeben vom getreuen Assistenten Harald Müller - übrigens mit einem imponierend umfangreichen Werkverzeichnis, das die Frage aufwirft, ob Bossle schon alles lesen konnte, was er geschrieben hat.

Es ist ein Buch der unverzagten Bekenner. Und Bekennerinnen. Die bundesdeutsche Chefdemoskopin Elisabeth Noelle-Neumann schreibt "im Respekt vor Ihrer Standfestigkeit" dem "lieben Herrn Bossle", daß "uns eine Erfahrung verbindet: In unserer Arbeit vom Zeitgeist nicht begünstigt zu sein". Viele Menschen aller Stände teilen ihre Hochachtung vor Bossle. An der Spitze der interdisziplinär ausgerichteten Festschrift findet sich der Würzburger Unternehmer Karl, der seine durch Bossle geweckte lyrische Begabung in die Verse ausbrechen läßt:

Längst ist nicht nur im eigenen Land

sein Name überall bekannt,

auch außerhalb der deutschen Grenzen