Mittlerweile hat sich selbst die Literatur der Spezies Werbefachmann angenommen: "Unterwegs sehe ich, wie ein völlig betrunkener Mann auf die Tür seines türkisfarbenen Porsche-Cabrios kotzt, während er versucht, den Wagen aufzuschließen. Ich sehe schnell auf die Autonummer. D wie Düsseldorf. Aha, ein Werber, denke ich. Das muß man sich mal vorstellen: Ein türkisfarbener Porsche."

Muß man nicht. Die von Christian Kracht im Roman "Faserland" geschilderte Szene hat, vom Kotzen und dem Nummernschild einmal abgesehen, einen wahren Kern. Jean-Remy von Matt ist "ein Werber", und noch im letzten Jahr steuerte er so einen mintfarbenen Porsche ("Mint, Türkis, das ist schon sehr ähnlich"), den ihm die Zuffenhausener als Dreingabe zum Etat anvertraut hatten. "Seit über hundert Jahren machen Autos unabhängig", textete von Matt in einer Anzeige unter den 911, "eins macht abhängig."

Von Matt legt sein René-Lezard-Jackett über den Stuhl und setzt sich. Der "im Habitus so angenehm zurückhaltende" (zv + zv) Mann "könnte Fotomodell sein oder Schauspieler für die Charge melancholischer Macho", befand werben und verkaufen, und es sieht ganz so aus, als lägen die Fachzeitschriften mit ihrer Einschätzung richtig. Von Matt ist ein "Kreativ-Star" (Süddeutsche Zeitung), und er hat fast alles erreicht, was ein Mann mit Anfang Vierzig in der Werbung erreicht haben kann.

Seine Hamburger Agentur, die er erst 1991 zusammen mit Holger Jung gegründet hat, hat sich in atemberaubender Geschwindigkeit ganz oben, unter den ersten zehn kreativen Agenturen der Republik, eingereiht. Dieses Jahr wurde Jung von Matt vom Fachblatt Horizont gar auf Platz zwei der kreativen Agenturen gesetzt. In nur vier Jahren ist Jung von Matt von einem Dutzend auf 85 Mitarbeiter expandiert und macht einen Umsatz von 80 Millionen Mark.

Lakonisch vermerkt die Agentur in einer Broschüre unter der Rubrik Medaillen und Auszeichnungen: "Genug."

Von Matt hat einen Kopf, und er hat ein Gesicht, das für die Werbung taugt. Für die René-Lezard-Kampagne ließ er sich mit Tränen im Gesicht photographieren. "Unsere Sakkos halten länger als eine durchschnittliche Ehe" lautete der Slogan. Da war seine zweite Ehe, die zehn Jahre gehalten hatte, just am Ende angelangt. Aber die Tränen auf seinen Wangen waren nicht echt. Sie waren aus Glyzerin.

Was von Matt zum Essen trinkt? Vielleicht ein Weißbier. Ein Weißbier? Ja. Aber "im Weißbier-Markt gibt es keine gute Werbung". Also nicht. Kein Weißbier. Er bestellt Orangensaft, der ist auf der Speisekarte ohne Herstellerangabe aufgeführt. Wenn er Bier trinke, sagt er, greife er übrigens zu Jever.