Klaus Maier hat es im Alltag gern bequem. Er fährt S-Klasse. Im Urlaub aber, mit Kind und Hund und Caravan, ist das Flaggschiff aus dem Hause seines Arbeitgebers nicht ganz das richtige Auto für den Finanzfachmann von Mercedes-Benz. Neuerdings gibt es für dieses Problem eine Lösung. Maier ist einer von hundert Teilnehmern an einem Experiment, mit dem Mercedes-Benz und Porsche gemeinsam neue Vertriebsstrategien testen wollen: Im sogenannten Pool-Leasing kann Maier für die schönsten Wochen des Jahres sein Dickschiff gegen einen veritablen Kombi tauschen oder gegen einen Geländewagen - ganz wie es ihm beliebt.

Die Idee ist einfach. Kein Auto ist so gebaut, daß es wirklich alle möglichen Bedürfnisse des Käufers abdecken kann. Wer diesem Umstand durch den Erwerb eines Zweit- und Drittwagens Rechnung trägt, sieht nicht nur ein einziges Auto die meiste Zeit des Tages nutzlos herumstehen, sondern gleich mehrere. Die Automobilbranche hat dies bislang großzügig ignoriert. Es gab offenbar genug Menschen, die ihr Geld gern auf die Straße stellten. Doch inzwischen machen sich alternative Organisationen die wachsende Unzufriedenheit darüber zunutze, daß das Fahr- meist ein Stehzeug ist. Die Parkplatznot tut ein übriges, um das Modell Car-sharing zum Erfolg werden zu lassen.

Wie der Name schon sagt, teilen sich dabei viele Fahrer den Gebrauch nicht ganz so vieler Autos. Die werden folglich nicht mehr besessen, sondern genutzt, bezahlt wird nicht mehr das Eigentum, sondern der Gebrauch. Der Vorteil für alle: Es müssen weniger Autos gehalten werden, trotzdem ist im Bedarfsfall die Auswahl größer.

Das Mercedes-Management beäugt diese Alternative zum Autokauf wachsam. Die Schwaben sind daran sehr interessiert, wie die Autoteiler den Nachfrageschwankungen gerecht werden, wie sie Pflege, Wartung und Abrechnung auf die Reihe bringen. Im Fall der Freiburger Auto Gemeinschaft treten sie deshalb sogar als Sponsor eines wissenschaftlichen Begleitprojekts auf, das die Antworten auf diese Fragen dokumentiert.

Die Ergebnisse scheinen überzeugend zu sein. Denn die Aussage von Mercedes-Chef Helmut Werner vom April diesen Jahres, daß "das sehr schnell auf den Markt kommen wird", hat eine Daimler-Benz-Tochter bereits umgesetzt. Seit Juli bietet die Mercedes-Benz-Finance in London ein Produkt namens Variations auf dem britischen Markt an.

Mit diesem Test, den Mercedes nun vorerst ohne Porsche gestartet hat, gehen die Schwaben nicht ganz so weit wie echte Car-sharer: Auf das eigene Auto wird nicht verzichtet. Wer bei Variations mitmacht, erwirbt mit seiner monatlichen Mietkauf-Rate den Anspruch, bei rechtzeitiger Buchung sein Grundfahrzeug gegen jeden Pkw aus fast der gesamten Modellpalette von Mercedes tauschen zu dürfen. Klaus Maier zum Beispiel, dem als Teilnehmer am hiesigen internen Versuch auch noch das Angebot des Nachbarn Porsche offen stünde, bucht für die Ferien einen E 250 Turbodiesel Kombi. Wenn er den abholt, läßt er seinen S 500 stehen. Der geht zurück in den Pool. Und Klaus Maier übernimmt nach dem Urlaub ein Fahrzeug gleichen Typs, nicht aber den selben Wagen.

Abgerechnet wird nach einem Klassensystem über die Dauer des Gebrauchs. Wer als Standardfahrzeug Mercedes' Kleinsten hält, muß für das Wochenende im SL-Cabrio schon ein paar Mark drauflegen. Kalkulationsgrundlage ist im Stuttgarter Versuch rund ein Prozent des Listenpreises als monatliche Leasingrate. Die britischen Kunden kostet Variations circa zehn Prozent mehr als ein gewöhnliches Leasing. Inklusive ist aber neben Wartung, Reparatur, Steuern und Versicherung der Vorteil mit fünf Tagen Voranmeldung und für mindestens fünf Tage das Auto nach Belieben wechseln zu können. Die Fristen hält Alexander Weißleder, Londoner Geschäftsführer der Mercedes-Benz-Finance, für verbesserungsfähig. Je mehr Kunden es gebe, desto kurzfristiger könne disponiert werden.