Dieser Tage jährt sich wieder die Geburt der Computerzeitschrift rechentechnik/datenverarbeitung: Es war am 24. September 1964, als die erste Ausgabe erschien. Kurz rd genannt, blieb sie lange Jahre das einzige EDV-Blatt der DDR, symbiotisch verbunden mit der ostdeutschen Computerszene. Schon wegen des mitreißenden Untergangs, der sich vor fünf Jahren vollzog, lohnt der Blick zurück.

Ursprünglich hieß rd ja Rechentechnik, Rationalisierung, Datenverarbeitung in den Finanzorganen und erschien auf Wunsch eines einzelnen Herrn - des damaligen Finanzministers der DDR, Willy Rumpf. Im Vergleich mit anderen Wirtschaftslenkern, die meinten, es genüge, ein paar Dogmen von Marx und Lenin zu beherrschen und sie "schöpferisch" anzuwenden, muß man Rumpf als Visionär bezeichnen.

Denn bei der Gründung von rd war wenig vorhanden außer dem Willen, eine völlig neuartige Fachzeitschrift zu schaffen. Praktische Erfahrungen mit Rechenanlagen gab es im ostdeutschen Staat nicht. Harte Währung, sie anzuschaffen, auch nicht. Man quälte sich mit einem Gerät namens ZRA 1 herum.

Diese Abkürzung steht für Zeiss-Rechenautomat 1. Das Zeiss-Kombinat in Jena hatte um 1962 eine Unzahl von elektronischen Röhren verbunden und damit dieses Monstrum geschaffen, groß wie ein Wohnzimmer. Man versprach sich, es könnte mehr im Leib haben als nur die Berechnung neuer Optiken, und so durfte Zeiss es in Serie bauen.

Daß seine primitiven Röhren häufig versagten und eine Schar von Technikern mit Lötkolben in Trab hielten, hätte die Kundschaft in den Kombinaten vielleicht geduldet. Daß der ZRA 1 seinen eigentlichen Lebensinhalt, das Rechnen, nicht so genau nahm, verübelte sie ihm jedoch. Auf einem angeschlossenen Zeichenplotter entstand zum Beispiel nicht ein vorgesehener Kreis, sondern eine Art Ei. Das Projekt wurde gestoppt; die rund dreißig gebauten ZRA 1 schob man allesamt an Hochschulen ab.

Die Begeisterung war deshalb groß, als rd schon in einer der ersten Ausgaben meldete, daß im frisch gegründeten Rechenzentrum der Finanzorgane ein Großcomputer vom Typ Univac UCT3 den Betrieb aufgenommen hatte. Nicht berichtet wurde, daß Willy Rumpfs Ressort diese amerikanische Maschine nur hatte erstehen können, weil ein australischer Kaufhauskonzern sie zuvor ausrangiert hatte und für wenig Geld abstieß.

Natürlich waren in der ersten Zeit von rd die EDV-Fachleute und damit die potentiellen Autoren an einer Hand abzuzählen. Damit sich sein Kind in die richtige Richtung entwickelte, hatte Willy Rumpf einen Redaktionsbeirat ins Leben gerufen und den Vorsitz gleich selbst übernommen. Die Runde bestand aus ranghohen Mitarbeitern des Finanzapparats und Vertretern der entstehenden Universitätsrechenzentren.