Prestissimo, prestissimo. Schnell geht es zu in der Welt von Manfred Schmitt. Erst verkaufte der Escom-Gründer Anteile an Siemens-Nixdorf und Quelle. Kaum hatte er jüngst der RWE-Tochter Telliance 12,5 Prozent von seinem ehemaligen Unternehmen abgetreten, gab er das neue Geld gleich wieder aus. Als "Privatmann" erwarb der 44jährige Hesse zum 1. Oktober die Kieler Hagenuk Telekom GmbH von der Preussag. Branchenkenner schätzen, daß ihm das RWE vor einem Monat 85 Millionen Mark für den Einstieg bezahlt hat.

"Durch einen Zufall bin ich bei Hagenuk reingekommen", sagt Manfred Schmitt, "und trotz seiner Verluste glaube ich an das Unternehmen." Hagenuk stellt unter anderem Handys für den Mobilfunk her. Der heutige Escom-Vorstandschef, der seine eigene Firma mit dem Verkauf von Personalcomputern populär gemacht hat, will innerhalb von zwei bis drei Jahren in dem neuen Geschäft auf eine verkaufte Stückzahl von einer Million Telephonen pro Jahr kommen.

"Schnelle Vertriebskanäle" eröffne Manfred Schmitt für die Hagenuk- Produkte, sagt Preussag-Sprecher Otmar Winzig. Schmitt selbst hingegen schränkt ein: "Über Escom werden Hagenuk-Produkte erst vertrieben, wenn sie sich draußen am Markt bewährt haben." Aber eine Kooperation liege schon deshalb nahe, weil die Fachhandelskette AssCarfi von der RWE-Telliance-Tochter Talkline mit fünfzig Fachgeschäften vor zwei Wochen zu Escom gestoßen sei.

Nach der Satzung ist die Escom AG, an der Schmitt nur noch mit 37,5 Prozent beteiligt ist, eine Vertriebsorganisation. Aus diesem Grund, so sagt er, habe er als "Privatmann" die Firma Hagenuk gekauft, die als Produzent von modernen schnurlosen Telephonen heute eine führende Marktposition besitze. "Hagenuk leidet nur an einer schwachen Vertriebsseite", glaubt der quirlige Manager.

Ehrgeiz und Wendigkeit prägten schon immer sein Leben. Mit sechs Jahren lernte er, Klavier zu spielen, mit neunzehn übte er noch fünf bis sechs Stunden täglich, um Konzertpianist werden zu können. "Für die Top ten hätte es nicht gereicht", sagt er. Zu groß sei die Angst gewesen, in einem "Kurorchester zu landen".

Statt dessen stieg er ins Wirtschaftsingenieur-studium ein, mit 22 Jahren eröffnete er sein erstes Musikgeschäft und hängte das Studium an den Nagel. Als Ende der siebziger Jahre die ersten computergesteuerten Synthesizer gebaut wurden, verwandelte sich "Orgel Schmitt" in "Schmitts Computersysteme". Vom legendären Commodore 64 verkaufte er eine "gigantische Stückzahl". Heute sind Manfred Schmitt und die Escom AG mit einem Marktanteil von 9,5 Prozent der drittgrößte Computervertrieb in Deutschland.

Felsenfest glaubt er, daß Multimedia die Zukunft gehört. "Heute verdienen wir zwar noch kein Geld damit", sagt der Escom-Gründer. Aber das werde noch kommen. Jahrelang sei er eine dreiviertel Stunde zur Arbeit gefahren: "Vertane Zeit." Neue elektronische Dienstleistungen könnten solche Wege verkürzen und die Umwelt entlasten. Ob er dann mit der gesparten Zeit wieder mehr Klavier übt? "Eigentlich ist es eher ein Hobby für die Jahre nach 65. Aber eine Beethoven-Sonate, die bekomme ich noch hin."