Die zweite freie Wahl, der zweite haushohe Sieg des African National Congress (ANC): 69,2 Prozent der Stimmen, 6,6 Prozentpunkte mehr als bei der "Befreiungswahl" im Vorjahr.Mandelas Anhänger jubeln - zu früh?Nur 12 von 16 Millionen Wahlberechtigten ließen sich registrieren, nur 6,8 Millionen von ihnen haben gewählt.Erst 3,2 Millionen Stimmen sind ausgezählt.Und in der Provinz KwaZulu/Natal und in Kapstadt wurden die Kommunalwahlen ohnehin verschoben. Ein Ergebnis mit Lücken und Tücken also.Dennoch spiegelt es klare Trends wider: Die schwarze Anhängerschaft hält zum ANC.Die Nationale Partei, Erfinderin der Apartheid, wurde mit 14,4 Punkten auf ihre weißen Stammwähler zurückgeworfen und hat - eine kleine Sensation - Hochburgen wie Stellenbosch und Paarl verloren.Weiße wie schwarze Radikale erlitten vernichtende Niederlagen.Die ultrarechte Conservative Party strandete unterhalb der Einprozentmarke.In Pretoria, einer Insel der Weißen, konnte sie keinen einzigen Sitz erringen!Schließlich die Inkatha-Partei: Das miserable Abschneiden von Buthelezis Truppe signalisiert, daß es sich bei ihr um eine reine Regionalpartei handelt.Aber in "ihrer" Provinz wird erst im März gewählt. Die Extremisten haben also verloren, die Pragmatiker wurden gestärkt.Die Wochenzeitung Weekly Mail kommentierte: "Donnerwetter, wir sind normal!"So normal nun auch wieder nicht.Sollte das Endergebnis dem bisherigen Zwischenstand gleichen, dann wird die Opposition in vielen Kommunalparlamenten wenig zu bestellen haben.Bekanntlich tut es aber einer Demokratie nicht gut, wenn die Mächtigen allzu mächtig sind. Der ANC herrscht, die Nationale Partei überlebt - dieses Resultat war vorherzusehen.Die eigentliche Überraschung: Achtzehn Monate nach dem Machtwechsel ist die schwarze Mehrheit keineswegs enttäuscht oder ungeduldig.Im Gegenteil: Sie hat dem ANC einen weiteren Vertrauensvorschuß gegeben.Ist das eine Folge der Ankündigung, die weiße Militärführung des Apartheid-Regimes unter Mordanklage zu stellen?Das darf bezweifelt werden.Denn an Kommunalwahlen, bei denen nur ein Bruchteil der Bevölkeru ng mitmacht, läßt sich die kollektive Stimmung nicht ablesen.