Es war Mord, der Jitzhak Frankenthals Leben gänzlich veränderte, der Mord an seinem Sohn Arik. Die Täter zählten zur palästinensischen Terrororganisation Hamas. Eineinhalb Jahre liegt dieser Tag zurück.

Während die meisten Verwandten israelischer Terroropfer zu Falken werden, mutierte Frankenthal zur Taube. Sogar sein Unternehmen, ein physikalisches Labor, hat er verkauft, um ganztags für einen Kompromißfrieden mit den Palästinensern arbeiten zu können.

Er versucht, was andere für hoffnungslos halten: die radikal rechten Siedler zu bekehren. Er spricht in den Wehrsiedlungen des Westjordanlandes, in Religionsschulen, korrespondiert mit eifernden Rabbinern, die er für "jüdische Ajatollahs" hält.

Sogar seinem Premierminister ist er aufgefallen. Vor einem Jahr stand Jitzhak Rabin plötzlich in Jitzhak Frankenthals Wohnstube. Seither haben sich die beiden vielleicht zwanzigmal getroffen, zuletzt am vergangenen Samstag bei der Demonstration der 100 000. Vom Rednerpult aus rief Frankenthal, selbst streng gläubig, den radikalen Rechten zu, sie sollten die Heilige Schrift nicht wie ein Grundbuch lesen. Bevor er das Podium verließ, drückte Jitzhak Rabin ihn ans Herz.

Fünf Minuten später lag Rabin todgeweiht da. Nun fragt sich Frankenthal, ob er genug getan hat, ob er, der ein Attentat erwartete, genügend gewarnt hatte.

Frankenthal zählt zu einer kleinen Organisation namens Netivot Shalom, "Pfade des Friedens". Die Gruppe will die mächtige Siedlerorganisation Gush Emunim zähmen. Viele der Gründungsmitglieder sind Renegaten, die sich abwandten, als sie die Radikalisierung der Siedler bemerkten. Sie haben verfolgt, wie Gush Emunim ("Block der Gläubigen") seine Machtbasis von einer kleinen Zelle auf die gesamte West Bank ausdehnte, wie der Block einlud zu fundamentalistischen Abspaltungen und selbst binnen kaum dreißig Jahren für Israels Rechte zu dem geworden ist, was für die Linke einst die Kibbuz-Bewegung war - eine Pionierorganisation mit eigener "Ideotheologie" (Ehud Sprinzak).

Alles begann am 4. April 1968, als sich 79 Israelis im "Park-Hotel" von Hebron einmieteten. Kaum waren die Zimmer bezogen, verkündeten sie, nie mehr ausziehen zu wollen. Damit sympathisierten viele Israelis, so daß sich die Regierung scheute, die Hotelbesetzer zu vertreiben. Sie erlaubte der Gruppe, sich auf einer nahen Hügelkuppe niederzulassen - die Siedlung Kirjat Arba war gegründet.