Die öffentliche Aufregung, die der Preisverleihung vorausging, wird durch die Rede der Preisträgerin nicht widerlegt. Frau Schimmel reklamiert mit Ibn Chaldun, dem nordafrikanischen Geschichtsphilosophen des 14. Jahrhunderts, für sich die Weltfremdheit des Gelehrten. Und mit Hermann Hesse, dem Preisträger des Jahres 1955, glaubt sie, der Dichter habe über "die aktuelle Wirklichkeit hinweg die Möglichkeit des Schönen, der Liebe und des Friedens zu zeigen". Eine solche Auffassung erscheint uns heute sehr einseitig und blind für die Geschichte der Literatur und ihrer Leser. Wer 1955 - und später - eine solche Auffassung vertrat, konnte beruhigt zur restaurativen Tagesordnung übergehen.

Wilfried Fonrobert, Hilden

Ich gestehe: Der immer noch nicht ganz überwundene Knabe in mir hat zeitlebens Sager und Schreiber klammheimlich bewundert, die ihren pubertierenden Impetus so richtig ungeniert, keck und frech kommentierend, der Öffentlichkeit vorgeführt haben. Doch die beeindruckende Rede von Annemarie Schimmel als Rührstück in die Pfanne zu hauen und dem Laudator, immerhin unser Bundespräsident (den ich im Nachhinein, mir selbst meinen Irrtum eingestehend, als beste Wahl betrachte, weil er nämlich nur das sagt, was er selber glaubt), ans Bein zu pissen, ist mir doch zu starker Tobak.

Günther Klefenz, Ketsch

Mit der jahrzehntealten guten Tradition der ZEIT (Laudatio und Rede des Preisträgers ungekürzt am Donnerstag danach) brechen Sie - ausgerechnet bei dieser so umstrittenen wie bemerkenswerten Preisträgerin. Ich habe mir am Fernsehschirm eine Meinung gebildet - und hätte dieselbe gerne überprüft - nachlesenderweise. Die wenig Geist und Geschmack verraten den Ausführungen waren da kaum hilfreich!

Johann Geyer, Nöchst i. Odw.