Für kleine und große Schmuggler war die Schweiz immer schon ein lohnendes Ziel. Die großen Steuersünder schafften Schwarzgelder rein, und die kleinen Sünder nahmen schon mal etwas mehr billige Zigaretten, Kaffee oder feine Schokolade mit, als der Zoll erlaubte. Mittlerweile gibt es freilich massenweise unversteuerte Zigaretten aus dem Osten, und der allzu starke Franken verdarb selbst den kleinen Fischen den Spaß, bei den Eidgenossen etwas mehr einzukaufen. Den Zöllnern an der Grenze zur Schweiz wurde es allmählich fast schon etwas fad.

In solchen Fällen kann nur Brüssel helfen. Und da die EU Reisimporte mit hohen Abgaben belegt, um portugiesische und italienische Bauern vor dem Weltmarkt zu schützen, eröffnete sich unversehens eine neue Nische für Grenzgänger, die den Nervenkitzel lieben. Französischen und deutschen Zöllnern rieseln neuerdings bei Stichproben immer öfter Reiskörner entgegen. Kaum ist das Getreide auf EU-Boden, verdoppelt sich dessen Wert. Kleinschmuggler, Zöllner und eidgenössische Hoteliers freuen sich vereint über den Geniestreich der Eurokraten: Endlich gibt es wieder einen Grund, ins Alpenland zu fahren.