Was in vielen Urlaubsländern längst selbstverständlich ist, soll nun auch in Deutschland Wirklichkeit werden: In Zukunft signalisieren Sterne die Qualität der Hotels. Die regionalen Mitgliedsverbände des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) einigten sich jetzt auf bundesweit einheitliche Kriterien für die Einstufung.

Vor allem mittelständische Häuser hatten schon lange gefordert, daß sich auch deutsche Hotels mit Hilfe von Sternen ausweisen können. "Wenn man vom ,Maritim-Hotel` Cottbus spricht, hat jeder in etwa eine Vorstellung vom dortigen Standard", sagt Helmut Wollrab, Geschäftsführer der Dehoga-Fachgruppe Hotels, "das Hotel ,Zur Post` in Quakenbrück hingegen kann genausogut das erste wie auch das letzte Haus am Platz sein."

Um den Gästen bei der Wahl der Unterkunft behilflich zu sein, hatte Niedersachsen bereits 1992 im Alleingang die Hotelsterne eingeführt. Im Jahr darauf folgte Bayern - mit eigenen Kriterien. Im Auftrag des Dehoga haben die beiden Vorreiter jetzt einen gemeinsamen Bewertungskatalog erarbeitet, dem sich auch die Hotelverbände der meisten anderen Bundesländer anschließen wollen.

Zurückhaltend reagiert hingegen der Hamburger Verband, der die Dehoga-Sterne für überflüssig und die Kriterien für nichtssagend hält. Ob er den Hotels der Hansestadt die Kategorisierung überhaupt anbieten wird, ist noch fraglich. Allerdings können sich die Häuser dort auch von Niedersachsen oder Schleswig-Holstein bewerten lassen, wenn sie auf den Sternenausweis nicht verzichten wollen.

Die Eingruppierung der Hotels, die zwischen einem und fünf Sternen bekommen können, erfolgt nach objektiven Kriterien. Dabei spielen unter anderem die Größe der Zimmer und ihre Ausstattung sowie die Zeit, in der die Rezeption besetzt ist, der Frühstücks- und der Roomservice eine Rolle. In einem Drei-Sterne-Haus zum Beispiel müssen mindestens neunzig Prozent der Zimmer ein eigenes Bad und alle ein Telephon haben.

Der Hotelbesitzer selbst füllt den vorgegebenen Fragebogen aus und wird dann entsprechend eingestuft; stichprobenartig wird der Dehoga die Angaben überprüfen. Der Hotelier bekommt das bundesweit einheitliche Schild mit der Anzahl seiner Sterne und kann, falls er mit der Bewertung nicht einverstanden ist, auch eine eigens eingerichtete Schiedsstelle anrufen.

Eher subjektive Kriterien wie die Atmosphäre, die Hilfsbereitschaft des Personals oder die besonders geschmackvolle Einrichtung bleiben unberücksichtigt. "Das zu beurteilen ist Sache von Hotelführern wie Varta oder Michelin", meint Helmut Wollrab. "Die überprüfen jedes Haus selbst - und kommen wegen ihrer individuellen Ansprüche oftmals bei ein und demselben Hotel zu ganz unterschiedlichen Bewertungen." Ein Verfahren, das sich der Dehoga als Interessenverband der Hoteliers nicht leisten könne: Um Ärger zu vermeiden, müssen die Kriterien objektiv nachprüfbar sein.