Nina Grunenberg: "Und der Zukunft zugewandt", ZEIT Nr. 43; Joachim Fritz-Vannahme: "Die optimistische Generation", ZEIT Nr. 43 , und "Mit Spaß durch die Institutionen", ZEIT Nr. 44

Vielen Dank für die Umfrage. Nun weiß ich endlich, wie glücklich ich mich schätzen darf, gemeinsam mit den 1019 Befragten und knapp zwei Millionen anderen Studenten gegenwärtig an einer deutschen Hochschule eingeschrieben zu sein. Interessant ist die Tatsache, daß jeder einzelne von uns eine eigene gesellschaftliche Gruppe darstellt. Scheinbar sind wir so sehr Individualisten, daß es niemandem zumutbar ist, sich einer Gruppe zuzuordnen. Es grenzt an ein Wunder, daß sich die Befragten überhaupt zur Gruppe der Studenten zählen. Mit einem derart heterogenen Nachwuchs an den Hochschulen werden wir der Zukunft mit mehr erfolgversprechenden Konzepten entgegentreten, als diese Probleme bieten kann. Die Statements meiner Kommilitonen zeigen, daß das sich mir täglich bietende Bild der stummen Masse, die ein beachtliches Improvisationstalent entwickelt, wenn es um den Erwerb eines Scheines unter minimalem Energieaufwand geht, wohl nur eine optische Täuschung ist.

Es überrascht allerdings, daß zwei Drittel der Befragten "von der Richtigkeit des gesellschaftspolitischen Systems in der Bundesrepublik" überzeugt sind, wenn gleichzeitig immer wieder die Ungerechtigkeit und die soziale Kälte beklagt werden. Daß diese auch das Ergebnis der eigenen Einstellung sein könnten, ist bisher scheinbar nicht in das Bewußtsein dieser (meiner) Generation der engagierten, aufgeschlossenen, weltoffenen und optimistischen jungen Menschen gedrungen.

Volker Thönnes, Bonn

Zunächst ein Geständnis: Ja, ich bin ein Pragmatiker. Das mag im ersten Augenblick bei einem Absolventen des als besonders elfenbeinern verrufenen Mathematikstudiengangs erstaunen. Ich würde aber sagen, daß die Pragmatiker sogar die größte Gruppe unter den Mathematikstudenten ausmachen. Engagierte Linke gibt es höchstens bei Physikern, und Frustrierte brechen ein Mathematikstudium schnell ab. Leider stellen die Wertorientierten die wohl zweitgrößte Gruppe: An den Bibelständen vor den Mensaeingängen sehe ich zu viele bekannte Gesichter.

Theo Tremmel, Heidelberg

Ich wehre mich dagegen, als frustrierter Schwarzseher eingeordnet zu werden, nur weil ich ein wenig Skepsis an den Tag lege, die dem Realismus wesentlich näher kommt als der blinde, alle Arbeitsmarktentwicklungen ignorierende Optimismus, der in der Umfrage deutlich wird. Natürlich bezieht sich die Angabe, 92 Prozent der Studenten von heute wollten im späteren Beruf sehr gut sein, auf die Gesamtheit aller Studierenden. Ich kenne die entsprechende Zahl für die Jurastudenten nicht, doch gesetzt den Fall, es seien ungefähr ebenso viele - wie paßt dies mit der Tatsache zusammen, daß fast die Hälfte von ihnen entweder das Studium abbricht oder das Examen nicht besteht?