Noch im Frühjahr klopfte sich Privatbankier Günter Fischer auf die eigene Schulter. Die Geschäfte des Hamburger Bankhauses Fischer & Co., so bilanzierte der 72jährige Anfang März, liefen außergewöhnlich gut. Auch eher wackelige Kredite mochten damals die Stimmung nicht trüben. Denn Fischer war sich seiner Sache sicher: "Erfolg hat nur, wer seine eigenen Grenzen kennt." Spätestens seit vergangener Woche steht fest: Der Banker hat seine Lebensphilosophie nicht allzu ernst genommen. Das Bankhaus mußte seine Schalter wegen drohender Zahlungsunfähigkeit schließen.

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird das Kreditinstitut auch nicht mehr seine Türen öffnen - jedenfalls nicht mehr unter dem Namen Fischer. Ob es zu einem Vergleich kommt oder gar ein Konkurs unausweichlich sein wird, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Eins ist heute aber schon klar: Seit der spektakulären Herstatt-Pleite im Jahre 1974 ist in Deutschland keine Bank dieser Größenordnung (Bilanzsumme rund 2,2 Milliarden Mark) in eine derart gefährliche Schieflage gekommen.

Vom Pech der damaligen Herstatt-Geschädigten profitieren heute die Fischer-Kunden, darunter Zehntausende von Kleinsparern. Um ihre Guthaben brauchen sie sich keine Sorgen zu machen. Die damals verbesserte Einlagensicherung der privaten Banken, eine Art Feuerwehrfonds, sichert ihre Ansprüche. Ihnen bleibt allerdings der anfängliche Schreck. Und die Erkenntnis, daß sich das Schielen auf ein paar zusätzliche Prozentpunkte Zinsen nicht immer lohnt. "Das Bankhaus Fischer hat bei Einlagen immer noch einen Schnaps draufgelegt und damit erfolgreich Guthaben kleiner Leute akquiriert", sagt ein Kenner der regionalen Bankenszene.

Stützte sich das Einlagengeschäft der Privatbank auf viele kleine Säulen, so setzte Fischer bei der Kreditvergabe einseitig auf die Finanzierung von Automobilkäufen. Als einer der langjährigen Großkunden, die HLS Leasing Gesellschaft für Mobilien mbH im baden-württembergischen Filderstadt, Antrag auf Vergleich stellte, begann die rasante Talfahrt des Hamburger Instituts. Dem Vernehmen nach soll das Bankhaus Fischer Forderungen in Höhe von 600 Millionen DM allein aus 25 000 HSL-Leasingverträgen übernommen haben. In der Branche wird jedoch gemunkelt, ein Teil dieser Verträge sei getürkt oder deutlich überbewertet.

Auch wenn derzeit niemand den entstandenen Schaden exakt zu beziffern vermag, so könnte am Ende durchaus ein dreistelliger Millionenbetrag in den Büchern der Bank fehlen. Die persönlich haftenden Gesellschafter haben jedenfalls nur noch wenig Hoffnung, ihre Einlagen zu retten. Neben Bankgründer Fischer sind vor allem die vier Kinder des verstorbenen Verlegers John Jahr betroffen, die zusammen mit knapp 29 Millionen Mark haften müssen. Der Hamburger Rechtsanwalt Winfried Steeger, der die Interessen der Verlegerfamilie vertritt, gibt sich keinen Illusionen hin: "Wir haben uns darauf eingestellt, daß das Geld weg ist."